Die Zucht
aggressiver Hunde
Jahrtausende blieb so die Beziehung zwischen Mensch und
Hund weitgehend unkompliziert. Bis man begann, Hunde aggressiv zu züchten. Zwar hatte man
immer den bedingt territorialen Hund als Wach- und Hütehund geschätzt, aber er in
moderner Zeit begann man, systematisch auf Aggressivität zu züchten. Genetisch von
anderen Hunden isoliert, wurden immer neue Rassen mit spezialisiertem Verhalten oder
ausgefallenen Formen gezüchtet. Der einstige Mitlenker unserer Geschichte wurde von nun
an immer mehr zum Spiegelbild seines Herren.
Dieses Spiegelbild unserer selbst ist jetzt ins Gerede gekommen. Doch als Produkt des
Menschen ist nicht der Hund schuld, wenn gebellt, gebissen, sogar getötet wird, sondern
seine Züchter, seine Ausbilder, seine Halter.
Aus dem einstigen "besten Freund des Menschen" ist in der Öffentlichkeit nun
eine "Bestie" geworden, die wild und sinnlos um sich beißt. Vielfach haben in
der Tat seine Menschen in absichtlich aggressiv gemacht. Noch häufiger aber haben sie
keine Ahnung, warum ihr Hund auf einmal "böse" wird.
Charakteristisch für die Aggressivität noch ursprünglicher "Kampfhunde"
ist ihre Hemmungslosigkeit. Das vor allem unterscheidet sie von anderen Hunden oder gar
vom Wolf. Sie greifen ohne Vorwarnung an und beißen sich so lange fest, bis ihr Opfer
oder sie selbst tot sind. Motiviert wird es durch eine Kombination von hemmungsloser
sozialer und territorialer Aggressivität, gekoppelt mit jagdlich motiviertem Zupacken und
nicht mehr Loslassen. Züchterisch wird das hemmungslose Angreifen vor allem aber durch
ein starkes Herabsetzen der Schmerzempfindlichkeit erreicht. Dadurch erfahren diese Hunde
schon als kleine Welpen nicht den Schmerz und die Angst, die normalerweise zur Hemmung von
Aggression und Angriff führt.
Ohnehin auf erhöhte Aggressivität gezüchtet, und häufig auch
noch zum Angriff um jeden Preis trainiert, treten solche Hunde ohne jede Hemmung in den
Kampf. Besonders schlimm werden Hunde, die nicht nur angeboren aggressiv sind, sondern
auch noch auf hemmungslose Aggression trainiert werden oder gar Medikamente bekommen, die
auch den letzten Rest Schmerzempfinden und Angst unterdrücken. Für all diese Rassen
gilt, dass man in der Regel für ihre Zuchtzulassung eine erfolgreiche Ausbildung als
Schutzhund nachweisen muss. In der Tat, man glaubt es kaum, dass heute noch Hunde, deren
Welpen später in Familien, abgegeben werden, erst einmal Menschen angreifen müssen,
bevor man mit ihnen züchten darf. Sicher, in der Beißstatistik treten gut ausgebildete
und gehaltene Schutzhunde kaum auf. Doch wie viele "Möchtegernstarke" sehen in
solchen Hunden nicht ein Vorbild, ohne zugleich fähig zu sein, solch einen Hund zu
halten. Wie viele gutmütige, nachlässige, überforderte, gestörte Menschen halten
solche Hunde und kommen damit nicht klar. Das Ergebnis: beissende Hunde.
Wir machen den Hund zum Popanz, wahrlich zum Spiegelbild unserer eigenen Unfähigkeit, mit
Aggression und Gewalt umzugehen.
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