Wölfe leben in einem komplexen Familienverband, in dem jedes
Mitglied seine bestimmten Aufgaben hat und in dem es eine Hirarchie oder Rangfolge gibt.
Verhaltensforscher haben den verschiedenen Rängen einprägsame Namen gegeben. Der alte
Begriff "Leitwolf" ist z.B. durch "Alphawolf" ersetzt worden. Auch
für die anderen Ränge wurden Bezeichnungen wie "Betawolf",
"unterwürfiger oder untergebener Wolf" usw. vergeben.
Alphawölfe
Die Anführer eines Rudels sind das Alpha-Männchen und
Alpha-Weibchen, die man an ihrem hochgestellten Schwanz erkennen kann. Als Eltern der
meisten Angehörigen des Rudels übernehmen sie naturgemäß die Führung. Die Autorität
wird fortwährend mit Erziehungsmaßnahmen gegenüber den Abkömmlingen unterstrichen.
Alpha-Wölfe sind normalerweise voll ausgewachsen und halten ihre Führungsposition bis zu
acht Jahre. Das Alpha-Männchen zieht dem Rudel voraus und bestimmt die Marschrichtung.
Das Alpha-Weibchen hält sich dabei in seiner Nähe.
Betawölfe
Dicht hinter dem Alpha-Paar in der Hierarchie steht der Beta-Rüde,
der auch eine wichtige Position innehat. In den meisten Rudeln ist der Alpha-Rüde der
Vater des Rudels. Es kann aber vorkommen, daß er nicht an der Fortpflanzung beteiligt
ist, dann verbindet sich der Beta-Rüde mit dem Alpha-Weibchen. Trotzdem bleibt der
Alpha-Rüde der Dominante. Er leitet die Aktivitäten des ganzen Rudels an, auch wenn er
nicht der Vater der Jungen ist.
Untergebene Wölfe
Normalerweise jüngere Wölfe, manchmal aber auch ehemalige
Alpha-Wölfe, die ihre Führungsposition verloren haben. Diese im Rang niedriger stehenden
Wölfe spielen eine wichtige Rolle bei der Aufzucht und dem Füttern der Welpen. Im Umfeld
der Höhle sind sie von den wirklichen Eltern nur schwer zu unterscheiden. Die Anzahl der
überlebenden Welpen hängt oft allein von der zusätzlichen Fürsorge der untergebenen
Wölfe ab.
Omegawolf
Bei einem größeren Rudel wird oft ein Wolf untersten Ranges zur Zielscheibe der angestauten Aggressionen. Von Verhaltensforschern Omega-Wolf genannt, scheint dieser Wolf eine Art "Sündenbockfunktion" einzunehmen. Manchmal wird er wie ein Aussätziger behandelt. Dieses Verhalten dient auch der besseren regionalen Verteilung der Wölfe. Häufig versucht der ausgestoßene Wolf nämlich, um der Mißhandlung am unteren Ende der Rangordnung zu entgehen, ein neues Rudel zu gründen. Ein solcher Sündenbock ist an dem glatt gelegten Fell, seinen angelegten Ohren, und dem tief zwischen den Läufen eingezogenen Schwanz zu erkennen.
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Rutensignale des Wolfs:
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Es ist nun allerdings keineswegs so, daß alle Rudelmitglieder dem
Alpha-Paar "sklavisch untergeben" sind. Jedes Rudelmitglied hat natürlich
seinen eigenen Willen. Nach neuesten Erkenntnissen soll es auch beim Fressen keine
hirarchische Rangordnung geben. Im gemeinsamen Spiel unter den Rudelmitgliedern erlaubten
die Alpha-Tiere auch schon mal eine "Mißachtung" der bestehenden Rangordnung
und auch die jüngeren Tiere dürfen manchmal ein wenig "über die Strenge
schlagen". Für Rüden und Weibchen exisitieren zwei getrennte Rangordnungen im
Rudel. Normalerweise kämpfen auch nur Weibchen mit Weibchen und Rüden mit Rüden um die
Rangordnung miteinander.
Rangordnungskämpfe
Hin und wieder kann es auch zu Kämpfen um die Rangfolge im Rudel kommen. Jüngere Tiere können versuchen, die bestehenden "Machtverhältnisse" zu ihren Gunsten zu verändern. Wölfe versuchen, ernsthaften Beißereien aus dem Weg zu gehen und so spielen sich die Machtkämpfe normalerweise durch Droh- und Unterlegenheitsgesten ab. Häufig gibt das schwächere Tier schon vor einem ernsthaften Kampf nach, legt sich auf den Boden und bietet dem Sieger die Kehle dar. Beim Sieger wirkt jetzt eine Aggressionshemmung. Mit der Unterwerfung des Verlierers ist der Machtkampf beendet.
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Gesichtssignale des Wolfs:
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Manchmal kommt es aber doch zu ernsthaften Auseinandersetzungen und Beißereien zwischen den Rudelmitgliedern. Wenn beide Tiere nicht nachgeben wollen, kann es zu ernsthaften und blutigen Kämpfen kommen. Normalerweise merkt aber auch hier ein Tier rechtzeitig, wenn es unterlegen ist, und beschwichtigt denn den stärkeren Gegner mit Unterwürfigskeitsgesten. Zu Kämpfen mit tödlichem Ausgang kommt es extrem selten.
Die sichtbaren Kommunikationssignale der Wölfe basieren hauptsächlich auf Körpersprache. Wie der Mensch und der Hund, bringen auch Wölfe ihre Gefühle durch verschiedene Gesichtsausdrücke zum Ausdruck. Deswegen spielen die Gesichtsmerkmale in der Kommunikation der Wölfe eine große Rolle. Menschen lachen, wenn sie glücklich sind, und Hunde setzen manchmal ein "Glücksgesicht" auf. Der frohe Gesichtausdruck der Wölfe oder Hunde besteht aus einem offenen Maul, heraushängender Zunge und nach vorne gerichteten Ohren. Die Gemütszustände, die ein Wolf durch Körpersprache ausdrücken kann, sind Mißtrauen, Drohen, Angst und Unterwürfigkeit. Die Drohgebärden unterscheiden sich erheblich von den freundlichen Gesten. Das drohende Tier - ob Hund oder Wolf - rümpft die Nase, öffnet das Maul, bleckt die Zähne und richtet die Ohren voll auf. Dies wird mit einem Knurren und Fauchen unterstrichen. Der bedrohte und verängstigte Hund oder Wolf setzt dagegen ein grundverschiedenes Gesicht auf. Das Maul bleibt geschlossen, er legt die Ohren an und heult. Ein sehr häufiger Gesichtsausdruck des Alpha-Wolfs ist der Starrblick. Der Starrblick dient dem Alpha-Wolf zur Kontrolle der unteren Ränge. Ein Alpha-Wolf braucht einen Wolf unteren Ranges bloß mahnend anstarren; der andere Wolf wird sich sogleich geduckt davonschleichen.
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Verhaltenmatrix 1 Kontaktaufnahme; Das Fellriechen |
Wolf und Hund kommunizieren auch durch bestimmte Körper- und Schwanzstellungen. Ein drohender Wolf zum Beispiel knurrt nicht nur und bleckt seine Zähne. Er versteift auch seine Schultern, stellt seinen Schwanz hoch und bläht sich regelrecht auf um größer zu wirken. Umgekehrt verzieht der bedrohte Wolf sein Maul zu einem defensiven Grinsen, duckt sich, zieht seinen Schwanz ein und kauert sich auf dem Boden, um kleiner zu erscheinen. eine Legende ein Mythos - Der Wolf ein Tier der Superlative........
Eigenschaften
Wölfe sind ohne Zweifel die Könige der Wildnis und zugleich die Raubtiere der
nördlichen Hemisphäre, um die sich die meisten Legenden spinnen. Wölfe haben
gleichermaßen eine Vorliebe für Dall-Schafe, Elche und Karibus. Sie scheinen für diese
schreckliche Spezialisierung geradezu geschaffen zu sein; denn er gehört zur Ordnung der
Raubtiere (Carnivora). Sie werden durch bestimmt gemeinsame Eigenschaften charakterisiert.
Das sind vor allem lange Eckzähne (kräftige Reißzähne) mit spitzen Enden, einfaches
Verdauungssystem, scharfe Krallen sowie ein hoch entwickeltes Gehirn. Wölfe sind große
Tiere; von allen Unterarten gelten die in Alaska vorkommenden als größte Wölfe der Welt
- der schwerste Rüde, von dem man bisher gehört hat, wog 80 Kilogramm. Robust gebaut und
langbeinig, kann ein Wolf etwa zwei Kilometer weit mit einer Geschwindigkeit von 40
Stundenkilometern rennen, er kann auch meilenweit einen leichten 8-Stundenkilometer-Trab
durchhalten. Seine Ausdauer kommt ihm bei der Jagd vorzüglich zustatten, zumal er seine
Opfer meistens im Laufen angreift. Mit den Zähnen kann er das Fell des Opfers
aufschlitzen und das Fleisch herausreißen. Kräftige Kiefer und lange Eckzähne erlauben
es ihm, sich an einem fliehenden Opfer festzubeißen. Dr. L. David Mech, der Autor des
Buches The Wolf berichtet, wie ein Wolf sich am Maul eines Elchs festgebissen hatte; der
Elch war außer sich und hob den Angreifer vom Boden hoch in dem verzweifelten Versuch,
ihn abzuschütteln, ohne sich von ihm befreien zu können. Ein Wolf kann niemals sicher
sein, woher er die nächste Mahlzeit nehmen wird; er muß deshalb den bestmöglichen
Gebrauch von den Tieren machen, die er getötet hat. Er befeuchtet große Fleischstücke
mit Speichel und schlingt sie unzerkaut hinunter. Die Fleischmenge, die er bei einer
Mahlzeit zu sich nehmen kann, ist beträchtlich - bis zu 11 Kilogramm. Im Magen eines
Wolfs fand man neben großen Fleischstücken und einer Menge Haare die Leber, die Nieren,
die Luftröhre, ein Ohr und die Zunge eines Karibu. Die großen Knochen der größeren
Opfer knabbert er sauber ab (kleine Tiere verschlingt er ganz), die kleineren Knochen
zerbeißt er, um an das Mark heranzukommen. Selbst das Blut, das auf den Boden spritzt,
leckt er auf, und im Winter frißt er den blutigen Schnee. Wenn er gefressen hat, ruht er
sich aus. Die Verdauung geht rasch vor sich. Nach wenigen Stunden kann er schon wieder
fressen, obgleich er manchmal tagelang herumlaufen muß, ehe er wieder ein Opfer findet.
Organisierung des Rudels
Trotz seiner Flinkheit und Stärke jagt ein Wolf selten allein. Da seine Opfer gewöhnlich
größer und schneller sind als er, braucht er Unterstützung, und zwei oder mehr Wölfe
schaffen meistens, was einem allein nicht gelingen würde. Die Grundeinheit der
Wolfsgesellschaft, das Rudel, ist eine der kompliziertesten und hochentwickeltsten Formen
sozialer Organisation im ganzen Tierreich. Eltern, Junge, Großeltern, Onkel, Tanten,
Nichten und Neffen - sie leben und wirken innerhalb eines klar umrissenen
Herrschaftsgebietes auf bemerkenswert freundliche und gut funktionierende Art und Weise
zusammen. Der Zoologe Gordon C. Haber hat Jahre damit verbracht, Wölfe und ihre Beute im
McKinley Park zu beobachten, und festgestellt, daß es dort drei Hauptrudel gibt. Eines
besteht aus etwa 10 Wölfen und beansprucht ein Gebiet von ungefähr 1300
Quadratkilometern. Ein anderes mit schätzungs weise 18 Mitgliedern lebt in einem Gebiet
von gut 2500 Quadratkilometern, und ein drittes mit 10 bis 15 Mitgliedern herrscht über
ein Gebiet von 1500 Quadratkilometern. Die Grenzen zwischen diesen Gebieten werden durch
Geruchsmarken abgesteckt - ein Grasbüschel, eine bloßgelegte Wurzel, ja selbst ein
Stein, auf die der Leitwolf und die Leitwölfin uriniert haben.
Charakterisierung und Verhalten
Man hat den Wolf mit vielen Namen belegt - ihn beispielsweise als mutwilligen Killer
bezeichnet -, allmählich
jedoch kristallisiert sich aufgrund von Untersuchungen seines Verhaltens in der freien
Wildbahn ein neues,
zutreffenderes Bild von seinem wahren Wesen heraus. Haber und andere Forscher, die die
Möglichkeit gehabt
haben, Wölfe aus der Nähe zu beobachten, charakterisieren ihn als äußerst freundliches
Raubtier. Einer der
ersten, der das herausgefunden hat, war Adolph Mune, dessen Buch The Wolves of Mount
McKinley 1944
erschien. Es ist ein Klassiker auf dem Gebiet der Naturgeschichte. Er hat ein Wolfsrudel
über einen längeren
Zeitraum hinweg in seinem Bau beobachtet, der übrigens ein vergrößerter Fuchsbau war,
und schnell gelernt,
einzelne Mitglieder an der Verschiedenartigkeit ihrer Färbung und Zeichnung, an der
Größe, dem Körperbau und der Persönlichkeit zu unterscheiden. Auf der Grundlage dieser
Merkmale gab er einigen Namen. Einen großen Rüden mit schwarzen Flecken um die Augen
nannte er Robber Mask (Räubermaske). Ein anderer mit ,,einer langen, silbrigen Mähne und
einem auf dem Rücken und teilweise auch an den Seiten dunkleren Fell" wurde Dandy
getauft. Dandy legte großen Wert darauf, von den anderen respektiert zu werden; wenn er
zur Jagd davontrabte, ,,wedelte er keck mit dem Schwanz, und in seinem Gang lag etwas
Ausgelassenes". In Aussehen und Temperament ganz das Gegenteil von Dandy war Grandpa
(Großpapa). Er schien sehr alt zu sein, schleppte sich steifbeinig herum und hinkte
manchmal sogar. Das Rudel kam gut miteinander aus, jeder war eifrig um die Jungen bemüht,
die eine der beiden Wölfinnen zur Welt gebracht hatte. Die kinderlose Wölfin verhielt
sich oft so, als gehörten die Jungen ihr; sie spielte mit ihnen und paßte auf sie auf.
Das Leben des Rudels spielte sich ganz geregelt ab. Am Spätnachmittag oder frühen Abend
versammelten sich die erwachsenen Tiere, bevor sie auf die Jagd gingen; dabei wedelten sie
stets heftig mit dem Schwanz und hüpften vor Freude, als wären sie glücklich, sich
wiederzusehen. Dann zogen die drei Rüden im allgemeinen gemeinsam los, manchmal von einer
der beiden Wölfinnen begleitet, und kamen erst am nächsten Tag wieder zurück. Im Winter
ziehen die Wölfe im Gänsemarsch durch den Schnee und treten in die Fußstapfen des
Anführers. Haber hat herausgefunden, daß sie gewöhnlich auf hohen Bergkämmen
entlangziehen, weil sie von da aus leichter ein Opfer ausmachen und weil sie dort besser
laufen können, da der Wind den Schnee zum größten Teil weggeblasen hat. Im Sommer
entfernen sie sich manchmal 30 Kilometer weit von ihrem Bau und brauchen dann für die 60
Kilometer lange Strecke hin und zurück zwischen 8 und 10 Stunden. Die Sommerbehausung der
Wölfe besteht aus weit mehr als nur dem Bau, der in seiner Grundform ein großes Loch in
der Erde ist. Ein Baubereich, wie Haber ihn beschreibt, liegt an einem gut entwässerten
und nach Süden zu gelegenen Abhang oberhalb eines Flusses, umgeben von Gräsern, Fichten
und Weiden. Von hier aus haben die Wölfe einen guten Überblick über die Gegend. Von
Anfang Mai bis Mitte Sommer
verbringen sie einen Großteil ihrer Zeit in einem etwa einen bis anderthalb Hektar
großen Ruhe- und Spielgelände, das in der Nähe des Baues in einem Wald gelegen ist. Das
ganze Gelände ist durchzogen von einem Netz von Pfaden, die die Wölfe angelegt haben,
und neben den Pfaden liegen die Knochen von Elchen, Dall-Schafen und Karibus, die sie auf
ihren täglichen Jagdzügen getötet und Stück für Stück in ihren Baubereich geschleppt
haben. Im Wald befinden sich auch die ,,Betten" der Wölfe, unter Fichten angelegt,
so daß die Ruhenden den Fluß überblicken und jeden Eindringling rechtzeitig wahrnehmen
können, der sich ihrem Gebiet aus jener Richtung nähern sollte. Der Bau selbst enthält
zwei Nestkammern; in ihnen kommen die Jungen zur Welt und verbringen dort die ersten zwei
oder drei Wochen ihres Lebens. Die Kammern sind mit dem weichen Unterhaar aus dem Fell der
Mutter ausgelegt. Einige Stacheln von Stachelschweinen liegen herum, die den Bau während
der Abwesenheit der Wölfe im Winter bewohnt haben. Ansonsten ist er sauber - dafür sorgt
die Mutter, die alle Verunreinigungen, Überreste von Opfern und Kot, beseitigt. Wenn die
Jungen alt genug sind, um mit den Erwachsenen zu laufen, verläßt das ganze Rudel das
Baugebiet und zieht zu einem Begegnungsplatz, einer Art Kindergarten und Spielzone, wo die
Jungen mit einem Babysitter zurückbleiben, wenn die übrigen Rudelmitglieder auf die Jagd
gehen. Meistens bringen sie den Jungen und dem Babysitter Fleisch mit, und zwar in ihrem
großen Magen. Die Jungen brauchen den Heimkehrenden gewöhnlich dann nur am Maul
herumzuknabbern und -zubeißen, damit sie es für sie herauswürgen. Jedesmal, wenn Haber
eine Heimkehr beobachtete, war er von der Zuneigung fasziniert, die die Wölfe
füreinander empfinden. Er schreibt: ,,Das Futter spielte zunächst einmal überhaupt
keine Rolle, denn alle Rudelmitglieder waren vollauf damit beschäftigt, ihre Nasen
aneinanderzureiben, sich das Gesicht zu belecken, sich gegenseitig zu umarmen, sich zu
balgen, zu winseln, zu schreien - eben allgemein Verspieltheit und Zärtlichkeit zu
zeigen."
Rangordnung
Starke emotionale Bindungen der Wölfe zu den Mitgliedern ihres Rudels sind für ihr
Überleben sehr wichtig. Noch wichtiger für Harmonie und Funktionsfähigkeit ist die
strenge Organisation des Rudels. Jedes Mitglied hat seinen Platz in dieser sozialen
Ordnung, die von einem großen, selbstbewußten Rüden angeführt wird. In vielen
wichtigen Angelegenheiten wird er von dem in der Rangfolge zweithöchsten Rüden
unterstützt - beispielsweise wenn es darum geht, einen Pfad durch den Schnee zu treten.
Das ganze Rudel bildet eine Hierarchie, und über die Rangordnung gibt es kaum einen
Zweifel. Der Rudelführer beherrscht alle anderen, physisch und psychisch, jede seiner
Stimmungen färbt auf die Stimmung der anderen ab - und er allein vereinigt sich mit der
ranghöchsten Wölfin. Jedes Rudelmitglied kann von denen, die in der Rangfolge unter ihm
stehen, Unterwürfigkeit verlangen, zum Beispiel daß sie sich vor ihm am Boden
zusammenducken, und tut es auch. Dabei wird allerdings selten nackte Gewalt angewendet;
Haber hat in mehr als 1000 Stunden, die er mit der Beobachtung der Wölfe im McKinley Park
zugebracht hat, nicht ein einziges Mal einen Kampf auf Leben und Tod zwischen Angehörigen
eines Rudels erlebt. Gelegentlich wird die Autorität eines Rudelführers von den
Mitgliedern des Rudels in Frage gestellt, allerdings nur dann, wenn seine Effektivität
als Führer infolge seines Alters oder einer dauerhaften Verletzung nachgelassen hat. Wenn
er jedoch aggressiv bleibt und die Umstände ihn begünstigen, dann kann er seine
Autorität erfolgreich wahren. Haber nennt drei Voraussetzungen, unter denen es einem
Rudelführer gelingt, seinen Rang zu verteidigen:
Er muß zur Zeit der Verletzung im besten Rüdenalter sein, die Verletzung muß schnell
heilen, und sie darf nicht in eine kritische Zeit im Leben des Rudels fallen, also
beispielsweise nicht in die Ranzzeit, in der es schon eher
einmal zu einer Herausforderung kommt.
Kommunikation
Wölfe haben viele Möglichkeiten, sich durch ihr Sozialverhalten auszudrücken. Ihr
Schwanz ist eine Art optischer Telegraph. Hoch erhoben, signalisiert er Herrschaft,
gesenkt Unterwürfigkeit - und der rangniederste Wolf trägt ihn trübselig zwischen den
Beinen. Zur Freundlichkeit gehört wie bei Hunden das Schwanzwedeln, Aggressivität wird
durch schnelles Hin- und Herzucken des ganzen Schwanzes oder der Schwanzspitze zum
Ausdruck gebracht. Ein Stimmungsbarometer ist auch das ausdrucksstarke Gesicht des Wolfes.
Wenn er herausgefordert wird, zeigt er seine Überlegenheit, indem er die Zähne fletscht,
die Stirn in Falten zieht und die Ohren aufrecht und nach vorn stellt. Ein Wolf, der auf
diese Zeichen von Aggression seine friedlichen Absichten zum Ausdruck bringen will, hält
das Maul geschlossen, läßt die Stirn glatt und legt die Ohren zurück. Manchmal braucht
ein überlegener Wolf nur den Unterlegenen intensiv anzustarren, damit dieser vor
Unterwürfigkeit vergeht. Wölfe kommunizieren auch vokal. Natürlich heulen sie, doch
daneben winseln, knurren und bellen sie auch. Wenn erwachsene Wölfe im Beisein von Jungen
winseln, so scheinen sie damit Besorgnis auszudrücken; gleichzeitig dient das Winseln
aber auch als freundliche Begrüßung unter Erwachsenen. Knurren bedeutet genau das
Gegenteil. Mit dem Bellen wird wiederum Aggressivität ausgedrückt, zugleich wird es aber
auch eingesetzt, um das Rudel vor Gefahren zu warnen.
Das Heulen dient offenbar dazu, das Rudel nach der Jagd zu vereinigen. Es kann auch den
Anspruch eines Rudels auf ein bestimmtes Territorium ausdrücken und ein anderes Rudel
davon abhalten, dieses Territorium zu durchqueren. Ein Wolfsrudel kann zu jeder Zeit
heulen - in der Nacht und über den Tag. Das Heulen kann man in allen Monaten des Jahres
hören. Aber in den Monaten Mai und Juni nimmt seine Häufigkeit bedeutend ab.
wahrscheinlich, um den Ort ihrer Höhle mit ihren Jungen geheimzuhalten. Diese
Beobachtungen wurden auch im Tierpark Berlin gemacht. Welpen versuchen winselnd
mitzuheulen. Bevor ein gemeinsames Geheul angestimmt wird, wedeln die Mitglieder eines
Rudels mit dem Schwanz und winseln. Dann streckt ein Mitglied die Schnauze in die Höhe
und beginnt zu heulen. Das dumpfe, klagende Jammern, das aus seiner Kehle dringt, ist
einer der rührendsten und schönsten Ur-Laute, den es gibt - der echte Ruf der Wildnis.
Der Heulton kann von einer bis zu 10 oder 15 Sekunden dauern. Dann fällt ein zweites
Rudelmitglied ein, dann ein drittes - bis das ganze Rudel heult.
Lois Crisler, die Autorin des Buches Arctic Wild, hat zwei Würfe von Wolfsjungen
aufgezogen, als sie in der
Brooks Range lebte. Sie hatte nicht nur Gelegenheit, dem Heulen der Wölfe zu lauschen,
sondern brachte es sich auch selbst bei. An einer Stelle beschreibt sie, wie eine Wölfin
ein Geheul anstimmte: ,,Manchmal wehklagte sie, wobei sie die Zunge wie den Zug einer
Posaune im Maul auf und ab bewegte. Bei einem langen Ton hielt sie die Zungenspitze
aufgerollt gegen den Gaumen gedrückt. Sie formte die Töne mit den Lefzen, die sie
einzog, um einen hornartigen Klang zu erzeugen. Wölfe vermeiden den einstimmigen Gesang,
sie lieben Akkorde."
Angriffsstrategie
Ist er allerdings der Jäger, und nicht das Opfer, dann benimmt er sich erstaunlich
kaltblütig und intelligent. Haben die Wölfe auf der Jagd ihr Opfer entdeckt, geraten sie
in Erregung, bringen es zunächst jedoch fertig, sich zurückzuhalten. Sie nähern sich
der Beute intensiv geradeaus starrend. Ihr Schwanz zuckt heftig hin und her. Wenn sie ihr
nahe genug sind, um einen Angriff zu unternehmen, bleiben sie stehen und betrachten das
Opfer einige Sekunden lang eingehend, ehe sie sich bellend und heulend auf es stürzen.
Rennt das Opfer weg, jagen sie es; sobald sie jedoch merken, daß sie nicht mithalten
können - was oft schon nach wenigen hundert Metern der Fall ist -, geben sie auf.
Behauptet sich ein Opfer, zum Beispiel ein Elch, sehen die Wölfe es sich aufmerksam an,
um herauszufinden, ob es irgendwelche Schwächen zeigt, die es zu einem weniger gewaltigen
Gegner machen. Sie spüren selbst die geringfügigsten Leiden und Verletzungen und achten
besonders darauf, ob das Opfer den Kopf stärker senkt als normal oder ob die Reflexe
langsamer sind. Häufig genügen wenige Minuten, um ihnen zu sagen, ob sie angreifen
sollen oder nicht. Nur wenn sie absolut sicher sind, daß sie ihr Opfer auch
überwältigen können, umzingeln sie es. Die Art des Angriffs richtet sich ganz nach dem
Opfer. Kleineren Tieren, Karibus oder auch Dall-Schafen, springen sie an das Hinterteil,
den Bauch oder die Kehle - an jeden verletzlichen Körperteil - und werfen sie um. Bei
Elchen müssen sie vorsichtiger und geschickter vorgehen. Ein Elch ist groß und stark.
Obgleich er den Wölfen davonlaufen könnte, bleibt er meistens stehen. Wenn er wütend
ist, kann er seine Angreifer drei bis vier Meter hoch in die Luft schleudern. Diesem
eindrucksvollen Widersacher gegenüber besteht die Technik der Wölfe im allgemeinen
darin, sich an die Hinterbeine und an die Nase heranzumachen, wobei sie sorgfältig darauf
achten, den flinken, tödlichen Vorderhufen auszuweichen. Da sie genau wissen, daß ein
verwundetes Opfer noch gefährlicher sein kann, töten sie es erst dann, wenn es durch den
Blutverlust geschwächt ist. Trotz ihrer scheinbaren Geschicklichkeit haben sie eine
erstaunlich niedrige Erfolgsquote beim Jagen. Haber registrierte im Laufe von 64 Tagen,
die er im Winter 1970/71 mit der Beobachtung von Wölfen verbracht hat, alle Aktivitäten
- Jagen und Aasfressen - eines aus 13 Mitgliedern bestehenden Rudels im McKinley Park. Sie
fraßen 16 Kadaver verschiedener Tiere, die wegen der in jener Periode herrschenden Kälte
verendet waren. Von 113 Elchen, die sie trafen und testeten, überwältigten sie lediglich
10. Sie hetzten zwar 224 Dall-Schafe, fingen aber nur 13, und
verfolgten 26 Karibus, von denen sie nur eines töteten. ,,Die Tiere, die die Wölfe
rissen, waren aus irgendeinem Grund nicht auf der Höhe", berichtet Haber. ,,Obgleich
man nur schwer etwas über den Zustand derjenigen sagen kann, die entkamen, darf man wohl
annehmen, daß sie im allgemeinen die gesündesten waren."
Paarung
Ihre Populationszahlen mit den verfügbaren Nahrungsreserven in Einklang zu bringen ist
für das Überleben der
Wölfe eine überaus wichtige Sache. Die Natur hat da offenbar eine Reihe von
Kontrollmechanismen eingerichtet. Dazu gehören einmal die Abgrenzungen zwischen den
einzelnen Rudeln - Abgrenzungen, die die Wölfe respektieren -, welche dazu beitragen, die
Zahl der Wölfe in jedem einzelnen Territorium zu jeder Zeit zu begrenzen. Darüber hinaus
schränken die Wölfe die Paarung ein; sie ist fast immer das Vorrecht des ranghöchsten
Rüden und des ranghöchsten Weibchens. Beide beeinflussen das Verhalten der anderen
Rudelmitglieder; der Rüde überwacht die unter ihm stehenden Rüden, das Weibchen die
unter ihm stehenden Weibchen. Aber die Paarungszeit kann auch Probleme aufwerfen. In einem
Rudel, dem Haber Ende Februar und in der ersten Märzhälfte folgte, also in der Ranzzeit
der Wölfe, bemühten sich der Rudelführer und der in der Rangfolge zweithöchste Rüde
um das ranghöchste Weibchen. Das Weibchen schien den zweithöchsten Rüden zu bevorzugen
und hatte nichts gegen seine wiederholten Annäherungsversuche. Aber der Rudelführer
vereitelte die Paarung der beiden. Mit ,,unmißverständlichem, doch durchaus nicht
feindseligem Dominanzgebaren", wie Haber es beschreibt, schaffte er es, seinen
Konkurrenten in einem beinahe konstanten Zustand der Unterwürfigkeit zu halten und so das
Weibchen für sich zu gewinnen. Von dem Augenblick an gab es keinen Ärger mehr. Im
Gegenteil, nachdem das Paar sich vereinigt hatte, spielte der unerhörte Liebhaber die
Rolle des ,,stellvertretenden Gatten", wie Haber es nennt, war zu dem Weibchen
besonders aufmerksam, bevor die Jungen geboren wurden, und half später, sie zu versorgen,
als
wäre er selbst der Vater. Haber ist der Meinung, daß es neben der eingeschränkten
Paarung und den territorialen Faktoren noch andere Dinge gibt, die bei der
Bevölkerungskontrolle eine Rolle spielen. Er hat herausgefunden, daß die Rudel seit der
Zeit, als Murie damit begann, ihr Verhalten zu studieren, also seit 30 Jahren, mehr oder
weniger dieselben Gebiete bewohnen, daß sich die Zahl ihrer Mitglieder kaum geändert hat
und daß auch die Zahl der Beutetiere bemerkenswert konstant geblieben ist. Die Rudel
bewohnen sogar noch viele der alten Baue und Pfade aus jener Zeit. Haber hat allerdings
auch festgestellt, daß die Population innerhalb gewisser Grenzen schwanken kann. Wenn die
Zahl der verfügbaren Beutetiere - also derjenigen Tiere, die die Wölfe leicht und sicher
töten können - erhöht ist, steigt auch die Zahl der Wölfe leicht an. Vermindert sich
die Zahl der Beutetiere, sinkt
auch die der Wölfe - und das ist durchaus kein Zufall. In harten Zeiten, wenn ein
Wolfsrudel zu seinem eigenen
Nachteil zu groß geworden ist, scheinen sich die Bande zwischen den ranghöheren und den
rangniederen
Rudelmitgliedern zu lockern. Ranghöhere Wölfe kümmern sich weniger um die schwächeren
- oft jüngeren -
Rudelmitglieder, die im Rang unter ihnen stehen. Können diese in einem strengen Winter
mit dem Rudel nicht
mehr Schritt halten, werden sie einfach zurückgelassen und dem sicheren Tod ausgeliefert.
In Zeiten jedoch, in
denen mehr Nahrung vorhanden ist, als ein Rudel verbrauchen kann, kümmern sich die
ranghohen Rudelmitglieder eher um die schwächeren, was deren Überlebenschancen erhöht.
,,Das läßt vermuten", schreibt Haber, ,,daß eine Artdynamisches Gleichgewicht
erreicht wurde, daß also die Wölfe und ihre Opfer sich stillschweigend aneinander
angepaßt haben."
Steckbrief Wolf
Systematische Einordnung: Reich: Tiere
Stamm: Chordata
Unterstamm: Wirbeltiere (Tiere mit Wirbelsäule)
Klasse: Säugetiere (warmblütige Tiere mit Fell und mit Milchdrüsen zur
Ernährung ihrer Jungen)
Ordnung: Raubtiere (Carnivoren, Fleischfresser mit Reisszähnen, die das
Abschneiden von Fleischstücken ermöglichen. Raubtiere sind
entweder "Zehengänger" (Wolf, Luchs) oder "Sohlengänger" (Bär).
Familie: Hundeartige (Caniden, umfasst 13 Gattungen mit 38 Arten).
Gattung: Canis (Hunde, 8 Arten).
Art: lupus (Wolf)
Unterarten: ca. 15
Merkmale
Gewicht: 12-80 kg, je nach Unterart und Individuum
Grösse: 100-150 cm Körperlänge, 31-51 cm Schwanz, 60-95 cm Schulterhöhe
Färbung: Meistens eine Mischung aus beige und anthrazith, auch
schwarz, weiss oder falbfarben. Rückenhaare beige mit schwarzer
Spitze, zu einer schwachen Mähne aufgerichtet. Man findet keine
vollständig schwarzen Haare, jedoch auf der Oberseite der Vorderbeine
oft ein auffallender dunkler Streifen. Der ist Brustkasten beige.
Gebiss: 42 Zähne (32 beim Jungwolf, Dauergebiss mit 7 Monaten).
Ernährung: Fleischfresser, frisst aber auch Früchte und Insekten.
Verbreitung: Nordamerika, Asien, Naher und Mittlerer Osten, Europa.
Fortpflanzung
Geschlechtsreife: 2 Jahre für Männchen und Weibchen
Lebensdauer: 5-10 Jahre, in Gefangenschaft bis 17 Jahre
Paarungszeit: Januar bis März, je nach Gegend
Tragzeit: 61-63 Tage, 5 Paar Zitzen
Wurfzeit: März bis Juni, je nach Gegend
Anzahl Junge pro Wurf: 3-8
Geburtsgewicht: 300-500 g
Besonderheiten
- Druck der Kiefer / Eckzähne 150 kg/cm 2
- Streifzüge von bis zu 60 km pro Nacht, (nachgewiesen bis 190 km!)
- Spitzengeschwindigkeit 45 bis 50 km/h
- hört Töne bis 40 Khz (20 Khz beim Menschen)
- Herzfrequenz 90 Schläge/Minute, bei grosser Anstrengung bis 200 Schläge/Minute.
Atemfrequenz
15-20/Minute, steigert sich bis auf 100 beim Hecheln.