Morphologische Unterschiede (Äußeres Erscheinungsbild):
Im allgemeinen trägt der Wolf die Rute waagrecht oder etwas gesenkt. Der Hund dagegen hält die Rute erhoben, oft auch eingerollt. Der Wolf hat eine Violdrüse, diese fehlt beim Hund.
Die Hinterpfoten setzt der Wolf auf die Spur der Vorderpfoten, der Hund seine Hinterpfoten zwischen die Spur der Vorderpfoten.
Anatomische Unterschiede
Die Unterschiede zwischen Wolf und Hund liegen vor allem bei den Schädelmerkmalen. Besonders auffällig ist die unterschiedliche Größe des Augenhöhlenwinkels. Beim Wolf beträgt dieser Winkel 40 bis 45 Grad, bei Hunden 53 bis 60 Grad, beim Deutschen Schäferhund jedoch 50 Grad. Er ist dem Wolf am ähnlichsten.
Ein weiterer Unterschied besteht im Volumen der Gerhirnkapsel, die beim Wolf entschieden größer ist. Die Größe des vorderen Teiles des Unterkiefers und die Anordnung der Schneidezähne: Beim Wolf ist dieser Teil des Unterkiefers verhältnismäßig schmal, seine Schneidezähne sind dicht zueinander angeordnet. Beim Hund ist der Unterkiefer verhältnismäßig breiter, die Zähne sind in Abständen weiter zueinander angeordnet.

 

Der Unterschied zwischen Wolf und Hund 

Es gibt über 400 Rassen von Haushunden. Alle haben eines gemeinsam, den Ahnen WOLF als Stammvater!

Jede Rasse ist infolge Selektion (Auswahl) durch den Menschen entstanden. Der Wolf zeigt im Gegen-
satz zu den Hunden relativ wenig Varianten. Im Gegensatz zu den sich äußerlich sehr stark vom Wolf unterscheidenden Rassen wie Pinscher und Bulldogge ähneln Deutscher Schäferhund, Malamute, Husky und Layka dem Wolf schon sehr. Es kann vorkommen, daß sich Wölfe mit diesen wolfsähnlichen Rassen kreuzen. Deren Nachkommenschaft sind dann kaum von Wölfen zu unterscheiden.
Die typischen Unterscheidungsmerkmale werden in zwei Gruppen unterteilt:



 

Genetische Studie aus den USA belegt, was Zoologen schon lange geahnt haben:
Alle Hunderassen stammen vom Wolf ab

 Ob Windhund oder Königspudel, Mops oder Dalmatiner - so unterschiedlich diese Rassen auch aussehen,
sie alle stammen vom Wolf ab. Die Ahnen heutiger Hunde sind demnach nicht aus der Vermischung   wild-
lebender Verwandter entstanden, etwa der von Schakalen und Kojoten. Dieses hatte der berühmte Evolutionsforscher Charles Darwin im vergangenen Jahrhundert vermutet. Drei Viertel aller heutigen Hunderassen entspringen sogar einer einzigen Wolfslinie, berichtete das US-Wissenschaftsmagazin
"Science". Außerdem sind sie die Abkömmlinge eines einzigen Zähmungsversuchs.

 Ein Team von Genetikern und Evolutionsbiologen aus den USA und Schweden konnte nicht nur belegen,
daß der Wolf der einzige Urahn des Hundes ist, sondern auch, daß der Mensch nach dem ersten Domestizierungsversuch noch mindestens einen weiteren unternommen hat, so Robert Wayne, Leiter der internationalen Arbeitsgruppe an der Universität von Kalifornien in Los Angeles. 

Die Wissenschaftler sammelten und untersuchten das Erbgut (DNA) von 162 Wölfen aus 27 Regionen
der Erde, aus Europa, Nordamerika und Asien. Diese DNA verglichen sie mit den genetischen Informa-
tionen von 140 Haushunden, die 67 Rassen angehören. Weil die wilden "Hundeartigen" der Gattung Canis miteinander kreuzbar sind und deshalb als potentielle Vorfahren des Haushundes in Frage kommen könnten, analysierten Wayne und seine Mitarbeiter auch das Erbgut von Kojoten und Schakalen. 

"Diese Studie ist die genetische Bestätigung für das, was die meisten Zoologen vermutet haben", sagt David Mech, ein Wolfsexperte aus Minnesota, "nämlich, daß der Hund ein domestizierter Wolf ist". 

Das Forscherteam untersuchte die DNA aus den Mitochondrien, den Energielieferanten der Zelle. Die Mitochondrien-DNA wird nur mütterlicherseits vererbt. Ein bestimmter Abschnitt dieser Gensequenzen, die sogenannte Kontrollregion, ist für seine relativ hohe Mutationsrate bekannt. Die Kontrollregion kann deshalb gewissermaßen als molekulare Uhr dienen, an der Wissenschaftler die Zeit ablesen, die zwei Arten von ihrem gemeinsamen Urahn trennt.

 Diese "Mitochondrien-Uhr" eichten die Forscher auf die DNA-Unterschiede zwischen Wölfen und Kojoten,
deren stammesgeschichtliche Wege sich vor einer Million Jahren getrennt haben. Das ist durch archäologische Funde belegt. Seit dieser Zeit haben sich etwa siebeneinhalb Prozent des mitochondrialen Erbguts von Kojoten und Wölfen verändert. 

Die erste Zähmung eines Wolfs könnte den genetischen Indizien zufolge bereits vor 135 000 Jahren stattgefunden haben. Das wäre fast zehnmal früher als bislang angenommen. Denn aufgrund von Knochenfunden gilt die Zeit vor 14 000 Jahren als Fiffis Geburtsdatum, das den Beginn der gemeinsamen Geschichte von Mensch und Hund markiert. Er ist wahrscheinlich das älteste aller Haustiere. Spanische Felsmalereien aus der Steinzeit, die Jahrtausende alt sind, zeigen den Hund bereits als Jagdhelfer des Menschen. 

Lange vorher schon hatten die Vorfahren des Menschen und Wölfe denselben Lebensraum besiedelt. Altertumsforscher fanden Wolfsknochen nicht weit entfernt von rund 400 000 Jahre alten Gebeinen, die von Urmenschen stammten. Wayne und seine Kollegen stellen nun die Hypothese auf, daß die Hunde der Frühzeit beziehungsweise die gezähmten Wölfe sich lange Zeit im Körperbau nicht von den wilden Vorfahren unterschieden haben. Erst vor rund 15 000 Jahren, mit der Entwicklung des Menschen vom Jäger und Sammler zum Ackerbauer und Viehzüchter, hätten sich die Zuchtkriterien für die vierbeinigen Begleiter geändert. 

Vielleicht wählte der Mensch bewußt kleinere und weniger kräftige Exemplare zur Zucht. Das würde jeden-
falls die damals zutage tretenden morphologischen Unterschiede zwischen Wolf und Hund erklären. Die Forscher vermuten außerdem, daß die Frühzeit-Hunde immer mal wieder "fremdgegangen" sind und sich mit ihren wilden Vorfahren gepaart haben. Dieser genetische Austausch könnte die Basis für die künstliche Selektion durch den Menschen geschaffen haben, die schließlich zu rund 300 Hunderassen geführt hat. Die treuen Gefährten, die auch in den alten Kulturen Chinas und Indiens, in Griechenland und im antiken Rom ihren Platz hatten, wurden je nach Bedarf und Zeitgeist über Jahrhunderte hinweg gezüchtet, bis sie doggenhaft monströs oder mopsartig zerknautscht aussahen. 

Das Team der schwedisch-amerikanischen Wissenschaftler hat darüber hinaus versucht, die Erbinformationen der untersuchten Hunderassen den heute lebenden Wolfspopulationen zuzuordnen. Vergeblich. Die eigentlichen Vorfahren und ihre Herkunft bleiben, so Wayne, "ein Rätsel". Er vermutet, daß die urzeitliche Wolfsfamilie ausgestorben ist.

 

Vom Zehnkämpfer Wolf zum Facharbeiter Hund
Die Domestikation: Unter Domestikation versteht man die Eingliederung einer Tierart in den Hausstand des Menschen. Mit der Haustierwerdung gehen verschiedene Änderungen im Verkaltensrepertoire des Tieres ein-
her, die sich im Vergleich zur Wildform, dem Wolf,   in einer Verhaltensdämpfung oder im Wegfall von Verhaltensweisen äußern, was das enge Zusammenleben mit dem Menschen erst möglich macht. (Hemmer, 1983) Der Grad der Domestikation reicht von Primitivrassen bis zu Hochzuchtrassen, wobei sich die Primitivrassen (Dingo, Basenji, nordische Schlittenhunde, etc.) eine gewisse Unabhängigkeit vom Menschen bewahrt haben, während die Hochzuchtrassen in wesentlich höherem Maße vom Menschen abhängig geworden sind. Erst das angeborene Fehlen vieler beim Wildtier, also beim Wolf, festgelgter instinktiver Verhaltensweisen (z.B. die Fluchttendenz) macht den Hund zu dem anpassungsfähigen Begleiter des Menschen und unterscheidet ihn so wesentlich von seiner Wildform, dem Wolf (Feddersen-Petersen, 1986). Mit dem partiellen Wegfall der Festlegungen auf vorhersagbare, instinktgesteuerte Handlungsabläufe hat der Hund als Folge der Domestikation einen Freiraum gewonnen: Ein Verhalten, das nicht genitisch fixiert ist, bietet ihm die Möglichkeit, es erst durch einen Lernprozeß festzulegen und erlaubt ihm damit eine flexiblere Anpassung an eine sich wandelnde Umwelt. Darüber hinaus ist den Haustieren die Tendenz zu einer "Verjugendlichung" oder Fetalisation eigen (Zimen, 1988) Die Reifeprozesse verschiedener Verhaltensweisen des Hundes unterscheiden sich in Entwicklungsgeschwindigkeit und -endpunkt von denen der Wildform Wolf. Es gibt also Hunde, die in Bezug auf bestimmte Verhaltensweisen nie ganz erwachsen werden. Der Grad einer solchen Fetalisation ist gleichzeitig auch Maßstab für die Abhängigkeit des Hundes vom Menschen. Ein Beispiel: Junge Wölfe jagen Krähen auf freiem Feld hinterher. Schon nach einem fehlgeschlagenen Versuch geben sie, noch im Welpenalter, das Hinterherjagen ein für allemal auf (Zimen, 1990)Der Energieaufwand wird nicht durch Beutefang belohnt, also werden die Krähe aus dem Beuteschema gestrichen. Hunde mit einen hohen Fetalisationsgrad laufen ihr ganzes Leben den Vögeln hiterher. Sie sind nicht etwa dümmer, ihnen macht das Rennen einfach Spaß und sie brauchen sich um ihre Energiebilanz keine Gedanken machen, weil sie sich voll und ganz in die Abhängigkeit des Menschen begeben haben.
Erstaunlich, was der Mensch aus dem Wolf gemacht hat: nützliche Haustiere mit tausend Formen und Fähig-
keiten. Und alle sind sie schon im "Urhund" Wolf angelegt! Worauf Züchter besonders stolz sind: Viele Hundearten übertreffen heute den Wolf. Sie bellen ausdrucksvoller. Manche jagen, ohne das Wild zu reißen oder gar zu fressen. Andere laufen schneller.
Und Hirtenhunde bewachen sogar des Wolfes liebste Beute - das Schaf!
Aus einem "Zehnkämpfer", der viele Disziplinen beherrschte, wurden "Spezialisten" - zum
Nutzen des Menschen.
In der Wildnis überleben könnten freilich nur noch die wenigsten Hunde.

Tafel 1 Wolf - Hund
                                                                           (Tabelle aus WAS IST WAS "Wölfe")                                                                                           

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