Resigniert schrieb 1949 der Wildbiologe Aldo Leopold:
"Nur die Berge leben lange genug, um das Geheul der Wölfe zu verstehen." 
Vor allem diesem Heulen hat der Wolf es zu verdanken, daß er seit Urzeiten dem Menschen unheimlich ist. Im Mittelalter galt das Heulen als Zeichen dafür, daß die "blutrünstige Bestie" einen Pakt mit dem Teufel geschlossen habe. Hatte schließlich doch schon Jesus in seiner Bergpredigt vor den "Wölfen im Schafspelz" gewarnt und damit die falschen Propheten gemeint. 
Und obwohl es bald 150 Jahre her ist, daß der letzte frei lebende Wolf in Deutschland geschossen wurde, ist das Märchen vom bösen Wolf der Brüder Grimm immer noch präsent., wird der Mythos vom Erzfeind des Menschen bis heute kultiviert.    

"Der Wolf verleiht dem Wald einen eigenen Reiz, auch wenn er in den Augen der Bevölkerung eine Gefahr darstellt. Womöglich verlieren unsere Wälder vollends den Heiligenschein früherer Urwälder, wenn das letze dieser Raubtiere gefallen ist."
(B. Swietorzecki, Polen 1926)


Eigenschaften Organisierung   -  Charakterisierung   -  Rangordnung   -  Kommunikation   -  Angriffsstrategie   -  Paarung

Körpersprache der Wölfe  -   Rangordnung im Wolfsrudel  -   Alphawölfe  -  Betawölfe  -  Untergebene Wölfe  -  Omegawolf

Rangordnungskämpfe   -  Körpersprache der Wölfe   -  Der "böse Wolf"?   -  Wußten Sie?   -  CANIS LUPUS UND DIE ERBEN

Nachgeschlagen  -  Wolfskrankheiten  -  Rutensignale  -  Gesichtssignale

Unterarten von Canis lupus  - WOLF  in den Landessprachen


Steckbrief Wolf

Systematische Einordnung: Reich: Tiere
Stamm: Chordata

Unterstamm: Wirbeltiere (Tiere mit Wirbelsäule)
Klasse: Säugetiere (warmblütige Tiere mit Fell und mit Milchdrüsen zur
Ernährung ihrer Jungen)
Ordnung: Raubtiere (Carnivoren, Fleischfresser mit Reisszähnen, die das
Abschneiden von Fleischstücken ermöglichen. Raubtiere sind
entweder "Zehengänger" (Wolf, Luchs) oder "Sohlengänger" (Bär).

Familie: Hundeartige (Caniden, umfasst 13 Gattungen mit 38 Arten).
Gattung: Canis (Hunde, 8 Arten).
Art: lupus (Wolf)
Unterarten: ca. 15

Merkmale

Gewicht: 12-80 kg, je nach Unterart und Individuum
Grösse: 100-150 cm Körperlänge, 31-51 cm Schwanz, 60-95 cm Schulter-höhe
Färbung: Meistens eine Mischung aus beige und anthrazith, auch
schwarz, weiss oder falbfarben. Rückenhaare beige mit schwarzer
Spitze, zu einer schwachen Mähne aufgerichtet. Man findet keine
vollständig schwarzen Haare, jedoch auf der Oberseite der Vorderbeine
oft ein auffallender dunkler Streifen. Der ist Brustkasten beige.

Anzahl Chromosomen: 7
8, wie beim Hund.
Gebiss: 42 Zähne (32 beim Jungwolf, Dauergebiss mit 7 Monaten).
Ernährung: Fleischfresser, frisst aber auch Früchte und Insekten.
Verbreitung: Nordamerika, Asien, Naher und Mittlerer Osten, Europa.

Fortpflanzung

Geschlechtsreife: 2 Jahre für Männchen und Weibchen
Lebensdauer: 5-10 Jahre, in Gefangenschaft bis 17 Jahre
Paarungszeit: Januar bis März, je nach Gegend
Tragzeit: 61-63 Tage, 5 Paar Zitzen
Wurfzeit: März bis Juni, je nach Gegend

Anzahl Junge pro Wurf: 3-8
Geburtsgewicht: 300-500 g

Besonderheiten

- Druck der Kiefer / Eckzähne 150 kg/cm 2
- Streifzüge von bis zu 60 km pro Nacht, (nachgewiesen bis 190 km!)
- Spitzengeschwindigkeit 45 bis 50 km/h

- hört Töne bis 40 Khz (20 Khz beim Menschen)
- Herzfrequenz 90 Schläge/Minute, bei grosser Anstrengung bis 200 Schläge/Minute. Atemfrequenz
  15-20/Minute, steigert sich bis auf 100 beim Hecheln.

WÖLFE

Eigenschaften
Wölfe sind ohne Zweifel die Könige der Wildnis und zugleich die Raubtiere der nördlichen Hemisphäre, um die sich die meisten Legenden spinnen. Wölfe haben gleichermaßen eine Vorliebe für Dall-Schafe, Elche und Karibus. Sie scheinen für diese schreckliche Spezialisierung geradezu geschaffen zu sein; denn er gehört zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora). Sie werden durch bestimmt gemeinsame Eigenschaften charakterisiert. Das sind vor allem lange Eckzähne (kräftige Reißzähne) mit spitzen Enden, einfaches Verdauungssystem, scharfe Krallen sowie ein hoch entwickeltes Gehirn.

Wölfe sind große Tiere; von allen Unterarten gelten die in Alaska vorkommenden als größte Wölfe der Welt - der schwerste Rüde, von dem man bisher gehört hat, wog 80 Kilogramm. Robust gebaut und langbeinig, kann ein Wolf etwa zwei Kilometer weit mit einer Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometern rennen, er kann auch meilenweit einen leichten 8-Stundenkilometer-Trab durchhalten. Seine Ausdauer kommt ihm bei der Jagd vorzüglich zustatten, zumal er seine Opfer meistens im Laufen angreift. Mit den Zähnen kann er das Fell des Opfers aufschlitzen und das Fleisch herausreißen. Kräftige Kiefer und lange Eckzähne erlauben es ihm, sich an einem fliehenden Opfer festzubeißen. Dr. L. David Mech, der Autor des Buches The Wolf berichtet, wie ein Wolf sich am Maul eines Elchs festgebissen hatte; der Elch war außer sich und hob den Angreifer vom Boden hoch in dem verzweifelten Versuch, ihn abzuschütteln, ohne sich von ihm befreien zu können. Ein Wolf kann niemals sicher sein, woher er die nächste Mahlzeit nehmen wird; er muß deshalb den bestmöglichen Gebrauch von den Tieren machen, die er getötet hat. Er befeuchtet große Fleischstücke mit Speichel und schlingt sie unzerkaut hinunter. Die Fleischmenge, die er bei einer Mahlzeit zu sich nehmen kann, ist beträchtlich - bis zu 11 Kilogramm. Im Magen eines Wolfs fand man neben großen Fleischstücken und einer Menge Haare die Leber, die Nieren, die Luftröhre, ein Ohr und die Zunge eines Karibu. Die großen Knochen der größeren Opfer knabbert er sauber ab (kleine Tiere verschlingt er ganz), die kleineren Knochen zerbeißt er, um an das Mark heranzukommen. Selbst das Blut, das auf den Boden spritzt, leckt er auf, und im Winter frißt er den blutigen Schnee. Wenn er gefressen hat, ruht er sich aus. Die Verdauung geht rasch vor sich. Nach wenigen Stunden kann er schon wieder fressen, obgleich er manchmal tagelang herumlaufen muß, ehe er wieder ein Opfer findet.

Organisierung
des Rudels Trotz seiner Flinkheit und Stärke jagt ein Wolf selten allein. Da seine Opfer gewöhnlich größer und schneller sind als er, braucht er Unterstützung, und zwei oder mehr Wölfe schaffen meistens, was einem allein nicht gelingen würde. Die Grundeinheit der Wolfsgesellschaft, das Rudel, ist eine der kompliziertesten und hochentwickeltsten Formen sozialer Organisation im ganzen Tierreich. Eltern, Junge, Großeltern, Onkel, Tanten, Nichten und Neffen - sie leben und wirken innerhalb eines klar umrissenen Herrschaftsgebietes auf bemerkenswert freundliche und gut funktionierende Art und Weise zusammen. Der Zoologe Gordon C. Haber hat Jahre damit verbracht, Wölfe und ihre Beute im McKinley Park zu beobachten, und festgestellt, daß es dort drei Hauptrudel gibt. Eines besteht aus etwa 10 Wölfen und beansprucht ein Gebiet von ungefähr 1300 Quadratkilometern. Ein anderes mit schätzungs weise 18 Mitgliedern lebt in einem Gebiet von gut 2500 Quadratkilometern, und ein drittes mit 10 bis 15 Mitgliedern herrscht über ein Gebiet von 1500 Quadratkilometern. Die Grenzen zwischen diesen Gebieten werden durch Geruchsmarken abgesteckt - ein Grasbüschel, eine bloßgelegte Wurzel, ja selbst ein Stein, auf die der Leitwolf und die Leitwölfin uriniert haben.

Charakterisierung
und Verhalten Man hat den Wolf mit vielen Namen belegt - ihn beispielsweise als mutwilligen Killer bezeichnet -, allmählich jedoch kristallisiert sich aufgrund von Untersuchungen seines Verhaltens in der freien Wildbahn ein neues, zutreffenderes Bild von seinem wahren Wesen heraus. Haber und andere Forscher, die die Möglichkeit gehabt haben, Wölfe aus der Nähe zu beobachten, charakterisieren ihn als äußerst freundliches Raubtier. Einer der ersten, der das herausgefunden hat, war Adolph Mune, dessen Buch The Wolves of Mount McKinley 1944 erschien. Es ist ein Klassiker auf dem Gebiet der Naturgeschichte. Er hat ein Wolfsrudel über einen längeren Zeitraum hinweg in seinem Bau beobachtet, der übrigens ein vergrößerter Fuchsbau war, und schnell gelernt, einzelne Mitglieder an der Verschiedenartigkeit ihrer Färbung und Zeichnung, an der Größe, dem Körperbau und der Persönlichkeit zu unterscheiden. Auf der Grundlage dieser Merkmale gab er einigen Namen. Einen großen Rüden mit schwarzen Flecken um die Augen nannte er Robber Mask (Räubermaske). Ein anderer mit ,,einer langen, silbrigen Mähne und einem auf dem Rücken und teilweise auch an den Seiten dunkleren Fell" wurde Dandy getauft. Dandy legte großen Wert darauf, von den anderen respektiert zu werden; wenn er zur Jagd davontrabte, ,,wedelte er keck mit dem Schwanz, und in seinem Gang lag etwas Ausgelassenes". In Aussehen und Temperament ganz das Gegenteil von Dandy war Grandpa (Großpapa). Er schien sehr alt zu sein, schleppte sich steifbeinig herum und hinkte manchmal sogar. Das Rudel kam gut miteinander aus, jeder war eifrig um die Jungen bemüht, die eine der beiden Wölfinnen zur Welt gebracht hatte. Die kinderlose Wölfin verhielt sich oft so, als gehörten die Jungen ihr; sie spielte mit ihnen und paßte auf sie auf. Das Leben des Rudels spielte sich ganz geregelt ab. Am Spätnachmittag oder frühen Abend versammelten sich die erwachsenen Tiere, bevor sie auf die Jagd gingen; dabei wedelten sie stets heftig mit dem Schwanz und hüpften vor Freude, als wären sie glücklich, sich wiederzusehen. Dann zogen die drei Rüden im allgemeinen gemeinsam los, manchmal von einer der beiden Wölfinnen begleitet, und kamen erst am nächsten Tag wieder zurück. Im Winter ziehen die Wölfe im Gänsemarsch durch den Schnee und treten in die Fußstapfen des Anführers. Haber hat herausgefunden, daß sie gewöhnlich auf hohen Bergkämmen entlangziehen, weil sie von da aus leichter ein Opfer ausmachen und weil sie dort besser laufen können, da der Wind den Schnee zum größten Teil weggeblasen hat. Im Sommer entfernen sie sich manchmal 30 Kilometer weit von ihrem Bau und brauchen dann für die 60 Kilometer lange Strecke hin und zurück zwischen 8 und 10 Stunden. Die Sommerbehausung der Wölfe besteht aus weit mehr als nur dem Bau, der in seiner Grundform ein großes Loch in der Erde ist. Ein Baubereich, wie Haber ihn beschreibt, liegt an einem gut entwässerten und nach Süden zu gelegenen Abhang oberhalb eines Flusses, umgeben von Gräsern, Fichten und Weiden. Von hier aus haben die Wölfe einen guten Überblick über die Gegend. Von Anfang Mai bis Mitte Sommer verbringen sie einen Großteil ihrer Zeit in einem etwa einen bis anderthalb Hektar großen Ruhe- und Spielgelände, das in der Nähe des Baues in einem Wald gelegen ist. Das ganze Gelände ist durchzogen von einem Netz von Pfaden, die die Wölfe angelegt haben, und neben den Pfaden liegen die Knochen von Elchen, Dall-Schafen und Karibus, die sie auf ihren täglichen Jagdzügen getötet und Stück für Stück in ihren Baubereich geschleppt haben. Im Wald befinden sich auch die ,,Betten" der Wölfe, unter Fichten angelegt, so daß die Ruhenden den Fluß überblicken und jeden Eindringling rechtzeitig wahrnehmen können, der sich ihrem Gebiet aus jener Richtung nähern sollte. Der Bau selbst enthält zwei Nestkammern; in ihnen kommen die Jungen zur Welt und verbringen dort die ersten zwei oder drei Wochen ihres Lebens. Die Kammern sind mit dem weichen Unterhaar aus dem Fell der Mutter ausgelegt. Einige Stacheln von Stachelschweinen liegen herum, die den Bau während der Abwesenheit der Wölfe im Winter bewohnt haben. Ansonsten ist er sauber - dafür sorgt die Mutter, die alle Verunreinigungen, Überreste von Opfern und Kot, beseitigt. Wenn die Jungen alt genug sind, um mit den Erwachsenen zu laufen, verläßt das ganze Rudel das Baugebiet und zieht zu einem Begegnungsplatz, einer Art Kindergarten und Spielzone, wo die Jungen mit einem Babysitter zurückbleiben, wenn die übrigen Rudelmitglieder auf die Jagd gehen. Meistens bringen sie den Jungen und dem Babysitter Fleisch mit, und zwar in ihrem großen Magen. Die Jungen brauchen den Heimkehrenden gewöhnlich dann nur am Maul herumzuknabbern und -zubeißen, damit sie es für sie herauswürgen. Jedesmal, wenn Haber eine Heimkehr beobachtete, war er von der Zuneigung fasziniert, die die Wölfe füreinander empfinden. Er schreibt: ,,Das Futter spielte zunächst einmal überhaupt keine Rolle, denn alle Rudelmitglieder waren vollauf damit beschäftigt, ihre Nasen aneinanderzureiben, sich das Gesicht zu belecken, sich gegenseitig zu umarmen, sich zu balgen, zu winseln, zu schreien - eben allgemein Verspieltheit und Zärtlichkeit zu zeigen."

Rangordnung
Starke emotionale Bindungen der Wölfe zu den Mitgliedern ihres Rudels sind für ihr Überleben sehr wichtig. Noch wichtiger für Harmonie und Funktionsfähigkeit ist die strenge Organisation des Rudels. Jedes Mitglied hat seinen Platz in dieser sozialen Ordnung, die von einem großen, selbstbewußten Rüden angeführt wird. In vielen wichtigen Angelegenheiten wird er von dem in der Rangfolge zweithöchsten Rüden unterstützt - beispielsweise wenn es darum geht, einen Pfad durch den Schnee zu treten. Das ganze Rudel bildet eine Hierarchie, und über die Rangordnung gibt es kaum einen Zweifel. Der Rudelführer beherrscht alle anderen, physisch und psychisch, jede seiner Stimmungen färbt auf die Stimmung der anderen ab - und er allein vereinigt sich mit der ranghöchsten Wölfin. Jedes Rudelmitglied kann von denen, die in der Rangfolge unter ihm stehen, Unterwürfigkeit verlangen, zum Beispiel daß sie sich vor ihm am Boden zusammenducken, und tut es auch. Dabei wird allerdings selten nackte Gewalt angewendet; Haber hat in mehr als 1000 Stunden, die er mit der Beobachtung der Wölfe im McKinley Park zugebracht hat, nicht ein einziges Mal einen Kampf auf Leben und Tod zwischen Angehörigen eines Rudels erlebt. Gelegentlich wird die Autorität eines Rudelführers von den Mitgliedern des Rudels in Frage gestellt, allerdings nur dann, wenn seine Effektivität als Führer infolge seines Alters oder einer dauerhaften Verletzung nachgelassen hat. Wenn er jedoch aggressiv bleibt und die Umstände ihn begünstigen, dann kann er seine Autorität erfolgreich wahren. Haber nennt drei Voraussetzungen, unter denen es einem Rudelführer gelingt, seinen Rang zu verteidigen: Er muß zur Zeit der Verletzung im besten Rüdenalter sein, die Verletzung muß schnell heilen, und sie darf nicht in eine kritische Zeit im Leben des Rudels fallen, also beispielsweise nicht in die Ranzzeit, in der es schon eher einmal zu einer Herausforderung kommt.

Kommunikation
Wölfe haben viele Möglichkeiten, sich durch ihr Sozialverhalten auszudrücken. Ihr Schwanz ist eine Art optischer Telegraph. Hoch erhoben, signalisiert er Herrschaft, gesenkt Unterwürfigkeit - und der rangniederste Wolf trägt ihn trübselig zwischen den Beinen. Zur Freundlichkeit gehört wie bei Hunden das Schwanzwedeln, Aggressivität wird durch schnelles Hin- und Herzucken des ganzen Schwanzes oder der Schwanzspitze zum Ausdruck gebracht. Ein Stimmungsbarometer ist auch das ausdrucksstarke Gesicht des Wolfes. Wenn er herausgefordert wird, zeigt er seine Überlegenheit, indem er die Zähne fletscht, die Stirn in Falten zieht und die Ohren aufrecht und nach vorn stellt. Ein Wolf, der auf diese Zeichen von Aggression seine friedlichen Absichten zum Ausdruck bringen will, hält das Maul geschlossen, läßt die Stirn glatt und legt die Ohren zurück. Manchmal braucht ein überlegener Wolf nur den Unterlegenen intensiv anzustarren, damit dieser vor Unterwürfigkeit vergeht. Wölfe kommunizieren auch vokal. Natürlich heulen sie, doch daneben winseln, knurren und bellen sie auch. Wenn erwachsene Wölfe im Beisein von Jungen winseln, so scheinen sie damit Besorgnis auszudrücken; gleichzeitig dient das Winseln aber auch als freundliche Begrüßung unter Erwachsenen. Knurren bedeutet genau das Gegenteil. Mit dem Bellen wird wiederum Aggressivität ausgedrückt, zugleich wird es aber auch eingesetzt, um das Rudel vor Gefahren zu warnen. Das Heulen dient offenbar dazu, das Rudel nach der Jagd zu vereinigen. Es kann auch den Anspruch eines Rudels auf ein bestimmtes Territorium ausdrücken und ein anderes Rudel davon abhalten, dieses Territorium zu durchqueren. Ein Wolfsrudel kann zu jeder Zeit heulen - in der Nacht und über den Tag. Das Heulen kann man in allen Monaten des Jahres hören. Aber in den Monaten Mai und Juni nimmt seine Häufigkeit bedeutend ab. wahrscheinlich, um den Ort ihrer Höhle mit ihren Jungen geheimzuhalten. Diese Beobachtungen wurden auch im Tierpark Berlin gemacht. Welpen versuchen winselnd mitzuheulen. Bevor ein gemeinsames Geheul angestimmt wird, wedeln die Mitglieder eines Rudels mit dem Schwanz und winseln. Dann streckt ein Mitglied die Schnauze in die Höhe und beginnt zu heulen. Das dumpfe, klagende Jammern, das aus seiner Kehle dringt, ist einer der rührendsten und schönsten Ur-Laute, den es gibt - der echte Ruf der Wildnis. Der Heulton kann von einer bis zu 10 oder 15 Sekunden dauern. Dann fällt ein zweites Rudelmitglied ein, dann ein drittes - bis das ganze Rudel heult.

Lois Crisler, die Autorin des Buches Arctic Wild, hat zwei Würfe von Wolfsjungen aufgezogen, als sie in der Brooks Range lebte. Sie hatte nicht nur Gelegenheit, dem Heulen der Wölfe zu lauschen, sondern brachte es sich auch selbst bei. An einer Stelle beschreibt sie, wie eine Wölfin ein Geheul anstimmte: ,,Manchmal wehklagte sie, wobei sie die Zunge wie den Zug einer Posaune im Maul auf und ab bewegte. Bei einem langen Ton hielt sie die Zungenspitze aufgerollt gegen den Gaumen gedrückt. Sie formte die Töne mit den Lefzen, die sie einzog, um einen hornartigen Klang zu erzeugen. Wölfe vermeiden den einstimmigen Gesang, sie lieben Akkorde."

Angriffsstrategie
Ist er allerdings der Jäger, und nicht das Opfer, dann benimmt er sich erstaunlich kaltblütig und intelligent. Haben die Wölfe auf der Jagd ihr Opfer entdeckt, geraten sie in Erregung, bringen es zunächst jedoch fertig, sich zurückzuhalten. Sie nähern sich der Beute intensiv geradeaus starrend. Ihr Schwanz zuckt heftig hin und her. Wenn sie ihr nahe genug sind, um einen Angriff zu unternehmen, bleiben sie stehen und betrachten das Opfer einige Sekunden lang eingehend, ehe sie sich bellend und heulend auf es stürzen. Rennt das Opfer weg, jagen sie es; sobald sie jedoch merken, daß sie nicht mithalten können - was oft schon nach wenigen hundert Metern der Fall ist -, geben sie auf. Behauptet sich ein Opfer, zum Beispiel ein Elch, sehen die Wölfe es sich aufmerksam an, um herauszufinden, ob es irgendwelche Schwächen zeigt, die es zu einem weniger gewaltigen Gegner machen. Sie spüren selbst die geringfügigsten Leiden und Verletzungen und achten besonders darauf, ob das Opfer den Kopf stärker senkt als normal oder ob die Reflexe langsamer sind. Häufig genügen wenige Minuten, um ihnen zu sagen, ob sie angreifen sollen oder nicht. Nur wenn sie absolut sicher sind, daß sie ihr Opfer auch überwältigen können, umzingeln sie es. Die Art des Angriffs richtet sich ganz nach dem Opfer. Kleineren Tieren, Karibus oder auch Dall-Schafen, springen sie an das Hinterteil, den Bauch oder die Kehle - an jeden verletzlichen Körperteil - und werfen sie um. Bei Elchen müssen sie vorsichtiger und geschickter vorgehen. Ein Elch ist groß und stark. Obgleich er den Wölfen davonlaufen könnte, bleibt er meistens stehen. Wenn er wütend ist, kann er seine Angreifer drei bis vier Meter hoch in die Luft schleudern. Diesem eindrucksvollen Widersacher gegenüber besteht die Technik der Wölfe im allgemeinen darin, sich an die Hinterbeine und an die Nase heranzumachen, wobei sie sorgfältig darauf achten, den flinken, tödlichen Vorderhufen auszuweichen. Da sie genau wissen, daß ein verwundetes Opfer noch gefährlicher sein kann, töten sie es erst dann, wenn es durch den Blutverlust geschwächt ist. Trotz ihrer scheinbaren Geschicklichkeit haben sie eine erstaunlich niedrige Erfolgsquote beim Jagen. Haber registrierte im Laufe von 64 Tagen, die er im Winter 1970/71 mit der Beobachtung von Wölfen verbracht hat, alle Aktivitäten - Jagen und Aasfressen - eines aus 13 Mitgliedern bestehenden Rudels im McKinley Park. Sie fraßen 16 Kadaver verschiedener Tiere, die wegen der in jener Periode herrschenden Kälte verendet waren. Von 113 Elchen, die sie trafen und testeten, überwältigten sie lediglich 10. Sie hetzten zwar 224 Dall-Schafe, fingen aber nur 13, und verfolgten 26 Karibus, von denen sie nur eines töteten. ,,Die Tiere, die die Wölfe rissen, waren aus irgendeinem Grund nicht auf der Höhe", berichtet Haber. ,,Obgleich man nur schwer etwas über den Zustand derjenigen sagen kann, die entkamen, darf man wohl annehmen, daß sie im allgemeinen die gesündesten waren."

Paarung
Ihre Populationszahlen mit den verfügbaren Nahrungsreserven in Einklang zu bringen ist für das Überleben der Wölfe eine überaus wichtige Sache. Die Natur hat da offenbar eine Reihe von Kontrollmechanismen eingerichtet. Dazu gehören einmal die Abgrenzungen zwischen den einzelnen Rudeln - Abgrenzungen, die die Wölfe respektieren -, welche dazu beitragen, die Zahl der Wölfe in jedem einzelnen Territorium zu jeder Zeit zu begrenzen. Darüber hinaus schränken die Wölfe die Paarung ein; sie ist fast immer das Vorrecht des ranghöchsten Rüden und des ranghöchsten Weibchens. Beide beeinflussen das Verhalten der anderen Rudelmitglieder; der Rüde überwacht die unter ihm stehenden Rüden, das Weibchen die unter ihm stehenden Weibchen. Aber die Paarungszeit kann auch Probleme aufwerfen. In einem Rudel, dem Haber Ende Februar und in der ersten Märzhälfte folgte, also in der Ranzzeit der Wölfe, bemühten sich der Rudelführer und der in der Rangfolge zweithöchste Rüde um das ranghöchste Weibchen. Das Weibchen schien den zweithöchsten Rüden zu bevorzugen und hatte nichts gegen seine wiederholten Annäherungsversuche. Aber der Rudelführer vereitelte die Paarung der beiden. Mit ,,unmißverständlichem, doch durchaus nicht feindseligem Dominanzgebaren", wie Haber es beschreibt, schaffte er es, seinen Konkurrenten in einem beinahe konstanten Zustand der Unterwürfigkeit zu halten und so das Weibchen für sich zu gewinnen. Von dem Augenblick an gab es keinen Ärger mehr. Im Gegenteil, nachdem das Paar sich vereinigt hatte, spielte der unerhörte Liebhaber die Rolle des ,,stellvertretenden Gatten", wie Haber es nennt, war zu dem Weibchen besonders aufmerksam, bevor die Jungen geboren wurden, und half später, sie zu versorgen, als wäre er selbst der Vater. Haber ist der Meinung, daß es neben der eingeschränkten Paarung und den territorialen Faktoren noch andere Dinge gibt, die bei der Bevölkerungskontrolle eine Rolle spielen. Er hat herausgefunden, daß die Rudel seit der Zeit, als Murie damit begann, ihr Verhalten zu studieren, also seit 30 Jahren, mehr oder weniger dieselben Gebiete bewohnen, daß sich die Zahl ihrer Mitglieder kaum geändert hat und daß auch die Zahl der Beutetiere bemerkenswert konstant geblieben ist. Die Rudel bewohnen sogar noch viele der alten Baue und Pfade aus jener Zeit. Haber hat allerdings auch festgestellt, daß die Population innerhalb gewisser Grenzen schwanken kann. Wenn die Zahl der verfügbaren Beutetiere - also derjenigen Tiere, die die Wölfe leicht und sicher töten können - erhöht ist, steigt auch die Zahl der Wölfe leicht an. Vermindert sich die Zahl der Beutetiere, sinkt auch die der Wölfe - und das ist durchaus kein Zufall. In harten Zeiten, wenn ein Wolfsrudel zu seinem eigenen Nachteil zu groß geworden ist, scheinen sich die Bande zwischen den ranghöheren und den rangniederen Rudelmitgliedern zu lockern. Ranghöhere Wölfe kümmern sich weniger um die schwächeren - oft jüngeren - Rudelmitglieder, die im Rang unter ihnen stehen. Können diese in einem strengen Winter mit dem Rudel nicht mehr Schritt halten, werden sie einfach zurückgelassen und dem sicheren Tod ausgeliefert. In Zeiten jedoch, in denen mehr Nahrung vorhanden ist, als ein Rudel verbrauchen kann, kümmern sich die ranghohen Rudelmitglieder eher um die schwächeren, was deren Überlebenschancen erhöht. ,,Das läßt vermuten", schreibt Haber, ,,daß eine Artdynamisches Gleichgewicht erreicht wurde, daß also die Wölfe und ihre Opfer sich stillschweigend aneinander angepaßt haben."


Körpersprache der Wölfe

Rangordnung im Wolfsrudel

Wölfe leben in einem komplexen Familienverband, in dem jedes Mitglied seine bestimmten Aufgaben hat und in dem es eine Hirarchie oder Rangfolge gibt. Verhaltensforscher haben den verschiedenen Rängen einprägsame Namen gegeben. Der alte Begriff "Leitwolf" ist z.B. durch "Alphawolf" ersetzt worden. Auch für die anderen Ränge wurden Bezeichnungen wie "Betawolf", "unterwürfiger oder untergebener Wolf" usw. vergeben.
 

Alphawölfe

Die Anführer eines Rudels sind das Alpha-Männchen und Alpha-Weibchen, die man an ihrem hochgestellten Schwanz erkennen kann. Als Eltern der meisten Angehörigen des Rudels übernehmen sie naturgemäß die Führung. Die Autorität wird fortwährend mit Erziehungsmaßnahmen gegenüber den Abkömmlingen unterstrichen. Alpha-Wölfe sind normalerweise voll ausgewachsen und halten ihre Führungsposition bis zu acht Jahre. Das Alpha-Männchen zieht dem Rudel voraus und bestimmt die Marschrichtung. Das Alpha-Weibchen hält sich dabei in seiner Nähe.
 

Betawölfe

Dicht hinter dem Alpha-Paar in der Hierarchie steht der Beta-Rüde, der auch eine wichtige Position innehat. In den meisten Rudeln ist der Alpha-Rüde der Vater des Rudels. Es kann aber vorkommen, daß er nicht an der Fortpflanzung beteiligt ist, dann verbindet sich der Beta-Rüde mit dem Alpha-Weibchen. Trotzdem bleibt der Alpha-Rüde der Dominante. Er leitet die Aktivitäten des ganzen Rudels an, auch wenn er nicht der Vater der Jungen ist.
 

Untergebene Wölfe

Normalerweise jüngere Wölfe, manchmal aber auch ehemalige Alpha-Wölfe, die ihre Führungsposition verloren haben. Diese im Rang niedriger stehenden Wölfe spielen eine wichtige Rolle bei der Aufzucht und dem Füttern der Welpen. Im Umfeld der Höhle sind sie von den wirklichen Eltern nur schwer zu unterscheiden. Die Anzahl der überlebenden Welpen hängt oft allein von der zusätzlichen Fürsorge der untergebenen Wölfe ab.
 

Omegawolf

Bei einem größeren Rudel wird oft ein Wolf untersten Ranges zur Zielscheibe der angestauten Aggressionen. Von Verhaltensforschern Omega-Wolf genannt, scheint dieser Wolf eine Art "Sündenbockfunktion" einzunehmen. Manchmal wird er wie ein Aussätziger behandelt. Dieses Verhalten dient auch der besseren regionalen Verteilung der Wölfe. Häufig versucht der ausgestoßene Wolf nämlich, um der Mißhandlung am unteren Ende der Rangordnung zu entgehen, ein neues Rudel zu gründen. Ein solcher Sündenbock ist an dem glatt gelegten Fell, seinen angelegten Ohren, und dem tief zwischen den Läufen eingezogenen Schwanz zu erkennen. 

Rutensignale des Wolfs: 
  1. Vertrauen
  2. Drohung mit Selbstvertrauen
  3. Selbstsichere Haltung (Alphawölfe)
  4. Normale Haltung
  5. Drohend, aber unsicher
  6. Normale Haltung, z.B. bei der Nahrungsaufnahme
  7. Entmutigung
  8. Drohung, Verteidigungsbereitschaft
  9. Aktive Unterwerfung, Schweifwedelnd
  10. Totale Unterwerfung (Omegawölfe)

Es ist nun allerdings keineswegs so, daß alle Rudelmitglieder dem Alpha-Paar "sklavisch untergeben" sind. Jedes Rudelmitglied hat natürlich seinen eigenen Willen. Nach neuesten Erkenntnissen soll es auch beim Fressen keine hirarchische Rangordnung geben. Im gemeinsamen Spiel unter den Rudelmitgliedern erlaubten die Alpha-Tiere auch schon mal eine "Mißachtung" der bestehenden Rangordnung und auch die jüngeren Tiere dürfen manchmal ein wenig "über die Strenge schlagen". Für Rüden und Weibchen exisitieren zwei getrennte Rangordnungen im Rudel. Normalerweise kämpfen auch nur Weibchen mit Weibchen und Rüden mit Rüden um die Rangordnung miteinander.
 

Rangordnungskämpfe

Hin und wieder kann es auch zu Kämpfen um die Rangfolge im Rudel kommen. Jüngere Tiere können versuchen, die bestehenden "Machtverhältnisse" zu ihren Gunsten zu verändern. Wölfe versuchen, ernsthaften Beißereien aus dem Weg zu gehen und so spielen sich die Machtkämpfe normalerweise durch Droh- und Unterlegenheitsgesten ab. Häufig gibt das schwächere Tier schon vor einem ernsthaften Kampf nach, legt sich auf den Boden und bietet dem Sieger die Kehle dar. Beim Sieger wirkt jetzt eine Aggressionshemmung. Mit der Unterwerfung des Verlierers ist der Machtkampf beendet. 

Gesichtssignale des Wolfs: 
  1. Ruhe, Entspannung
  2. Aufmerksamkeit, Interessiertheit; die Ohren sind aufgestellt
  3. Unsicherheit, Angst; die Ohren sind nach hinten gerichtet und eng an den Kopf angelegt, das Maul
    ist geschlossen und  mit weit nach hinten gezogenen Mundwinkel und glatter Stirn, die Augen
    werden zu schmalen "Augenschlitzen"
  4. Angst, beginnende Aggression; die Ohren liegen flach am Kopf, die Lefzen sind zurückgezogen
  5. Angriffsbereitschaft; die Ohren sind aufgestellt, die Lefzen stark zurückgezogen
  6. Unmittelbar vor dem Angriff; die Ohren sind nach vorn gerichtet, der Fang geöffnet 

Manchmal kommt es aber doch zu ernsthaften Auseinandersetzungen und Beißereien zwischen den Rudelmitgliedern. Wenn beide Tiere nicht nachgeben wollen, kann es zu ernsthaften und blutigen Kämpfen kommen. Normalerweise merkt aber auch hier ein Tier rechtzeitig, wenn es unterlegen ist, und beschwichtigt denn den stärkeren Gegner mit Unterwürfigskeitsgesten. Zu Kämpfen mit tödlichem Ausgang kommt es extrem selten.    

 

Körpersprache der Wölfe

Die sichtbaren Kommunikationssignale der Wölfe basieren hauptsächlich auf Körpersprache. Wie der Mensch und der Hund, bringen auch Wölfe ihre Gefühle durch verschiedene Gesichtsausdrücke zum Ausdruck. Deswegen spielen die Gesichtsmerkmale in der Kommunikation der Wölfe eine große Rolle. Menschen lachen, wenn sie glücklich sind, und Hunde setzen manchmal ein "Glücksgesicht" auf. Der frohe Gesichtausdruck der Wölfe oder Hunde besteht aus einem offenen Maul, heraushängender Zunge und nach vorne gerichteten Ohren. Die Gemütszustände, die ein Wolf durch Körpersprache ausdrücken kann, sind Mißtrauen, Drohen, Angst und Unterwürfigkeit. Die Drohgebärden unterscheiden sich erheblich von den freundlichen Gesten. Das drohende Tier - ob Hund oder Wolf - rümpft die Nase, öffnet das Maul, bleckt die Zähne und richtet die Ohren voll auf. Dies wird mit einem Knurren und Fauchen unterstrichen. Der bedrohte und verängstigte Hund oder Wolf setzt dagegen ein grundverschiedenes Gesicht auf. Das Maul bleibt geschlossen, er legt die Ohren an und heult. Ein sehr häufiger Gesichtsausdruck des Alpha-Wolfs ist der Starrblick. Der Starrblick dient dem Alpha-Wolf zur Kontrolle der unteren Ränge. Ein Alpha-Wolf braucht einen Wolf unteren Ranges bloß mahnend anstarren; der andere Wolf wird sich sogleich geduckt davonschleichen. 

 

verhma.jpg (10479 Byte)

Verhaltenmatrix
(Soziale Verhaltungsstrategien)

1 Kontaktaufnahme; Das Fellriechen
      2 Demutsverhalten; Aktive Unterwerfung
      3 Drohverhaten; Imponieren mit Halsdarbieten 
      4 Vorstoßen und Schnappen
      5 Endkampf

Wolf und Hund kommunizieren auch durch bestimmte Körper- und Schwanzstellungen. Ein drohender Wolf zum Beispiel knurrt nicht nur und bleckt seine Zähne. Er versteift auch seine Schultern, stellt seinen Schwanz hoch und bläht sich regelrecht auf um größer zu wirken. Umgekehrt verzieht der bedrohte Wolf sein Maul zu einem defensiven Grinsen, duckt sich, zieht seinen Schwanz ein und kauert sich auf dem Boden, um kleiner zu erscheinen.


Wir können sechs verschiedene Lautäußerungen des Wolfes unterscheiden: Winseln, Wuff-, Knurr-, Schrei- und Heullaute, sowie  Geräusche, die nicht mit den Stimmbändern und der Mundhöhle, sondern mit Hilfe anderer Körperteile zustande kommen. Innerhalb der einzelnen Lautäußerungsformen gibt es viele Abstufungen, vielfältige Variationen, viele fließende Übergänge und Mischlaute. Die volle Bedeutung  der Lautäußerungen kann nur im Zusammenhang mit dem gesamten Verhalten der Wölfe gedeutet werden.

Das Winseln ist eine sehr variable Lautäußerung, die Töne sind meist recht leise und hell. Sie bringen Unruhe, Unzufriedenheit oder leichte Erregung zum Ausdruck. Aber auch bei Aufforderungen, etwa im sexuellen Bereich sind dann zu vernehmen. In der Vorranz winselt die Wölfin bei der Aufforderung der Rüden. In der Hochranz ist es dann der Rüde der winselt, wenn er vom Weibchen wieder etwas will. Welpen winseln, wenn sie frieren, hungrig oder allein sind, ältere Wölfe, wenn sie zu den Welpen gehen, um sie aus der Höhle oder um sie aus einem Versteck hervorzulocken, oder wenn sie ihnen Futter vorlegen wollen. Die älteren Wölfe winseln in einer Vielzahl sozialer Situationen; es ist bei weitem die häufigste Lautäußerung überhaupt. Vorallem sind es die jüngeren und rangniedrigeren Wölfe, die bei Einzelbegegnungen mit Älteren und Ranghöheren, aber auch bei den für die Wölfe so typischen Gruppenzeremonien aufgeregt winseln. Sie winseln auch bei allen Formen der Aufforderung, etwa wenn sie einen anderen Wolf zum Aufstehen zu bringen suchen.

Das (einsiblige) Wuffen ist ein Warnlaut. Es lenkt die Aufmerksamkeit des ganzen Rudels auf eine mögliche Gefahr und führt, je nach Situation, zur Flucht der Welpen oder gar des ganzen Rudels. Bei geringer Intensität geht dem Wuffen häufig ein Laut voraus, der durch ruckartiges Ausblasen von Luft durch die Nasenlöcher entsteht. Bei höherer Intensität kann das Wuffen auch mehrsilbig zu einem ersten Ansatz von Bellen werden. Es ist ein Laut größter Erregung. Vermutlich dient das Bellen der Ablenkung und der Warnung vor einem Feind. Auch aggressive Kämpfe im Rudel lösen bei Rudelmitgliedern, die sich nicht direkt am Kampf beteiligen, manchmal aufgeregtes Bellen aus.

Das Knurren untermalt das optische  Zähneblecken und ist somit ein Dorhlaut. Ein Wolf protestiert gegen Belästigung durch allzu aufdringliche Welpen, ein Ranghoher gegen unerlaubtes Verhalten eines Rangniedrigen, dieser gegen Unterdrückungsversuche des Ranghöheren, fressende Wölfe gegen Annäherung anderer und so weiter. Bei geringer Intensität wird manchmal geknurrt, ohne daß die Zähne auch nur leicht gebleckt sind. In seltenen Fällen geht es auch umgekehrt: Die Zähne werden lautlos gebleckt. Bei zunehmender Intensität treten die beiden Informationsträger aber stets zusammen auf; je intensiver die Zähne gebleckt sind und das Maul geöffnet ist, desto lauter wird auch das Knurren. Bei zunehmender Abwehrtendenz mischen sich in das Drohen Laute hinein, die schließlich in Schreien übergehen können. Es sind helle, grelle Laute des Schreckens, des Schmerzes und der großen Angst. Ein Wolf, der "verprügelt" wird schreit laut, während er sich verteidigt oder wenn er versucht zu fliehen. Häufiger als bei erwachsenen Wölfen tritt das Schreien bei den Welpen auf, die in dem ersten, noch sehr rauhen Spiel miteinander oft schreien. Bei plötzlich auftretender Gefahr schreien die Welpen; es ist dann ein Schrecklaut. In diesem Fall reagieren die anderen Welpen mit jäher Flucht, und die adulten Wölfe richten ihre Aufmerksamkeit sofort auf die Welpen.

Das Heulen ist wohl der charakteristischste Laut des Wolfes. Eine Heulstrophe hält oft bis zu zwanzig Sekungen lang an; weitere Strophen können folgen, so daß das Heulen mehrere Minuten lang andauert. Manchmal heulen einzelne Wölfe sogar stundenlang. Dann sind die Pausen zwischen jeder Strophe in der Regel etwas länger. Das Heulen der Welpen und der Jungwölfe  liegt im Ton etwas höher als das von erwachsenen Wölfen. Sie fangen im Rudel seltener selbst an zu heulen, reagieren aber auf das Heulen der Altwölfe sehr schnell.

Das Zähneklappern gehört zur Kategorie der nicht mit den Stimmbändern produzierten Lauten. Ein in die Ecke getriebener und sich heftig verteidigender Wolf schlägt beim Abwehrdrohen in einer Art Schnappbewegung in der Luft die Zähne von Ober- und Unterkiefer hart aufeinander, wodurch ein dumpfer, oft mehrmals wiederholter Laut entsteht. Er drückt größte Verteidigungsbereitschaft aus und dient auf sehr markante Weise der Abschreckung vor weiteren Angriffen.
Ein weiteres Fremdgeräusch mit Signalwirkung, ist das harte Aufschlagen der vier Pfoten   beim Überfallgalopp. 
Hierbei handelt es sich um eine gehemmt Attacke auf einen rangniedrigeren Wolf: Bei vollständigem Ablauf fixiert der Angreifer zuerst von weitem sein Opfer. Dann schleicht er sich langsam näher, und plötzlich prescht er los, wobei er in der letzten Phase besonders hohe Sprünge macht. Dadurch entsteht beim fast gleichzeitigen festen Aufsetzen aller vier Beine auf der Erde ein leicht dumpfes Geräusch. Wenn nicht schon früher, so bemerkt das "Opfer" spätestens jetzt, was vor sich geht und rennt in der Regel weg.


                                                                                                                                                                                               Der "böse Wolf"? Sie sind wieder da, die Wölfe. Im Osten Deutschland, vor allem in Brandenburg, tauchen immer häufiger versprengte Rudel auf. Sie stammen aus Polen und Rußland, wo die Bestände ständig steigen, schwimmen durch die Oder und durchstreifen die großen Wälder Brandenburgs.

Seit dem frühen Mittelalter figuriert der Wolf als böses Tier und furchterregendes Ungeheuer, das ganze Schafe verschlingt, vor allem aber kleine Mädchen frißt, nächtens durch die Wälder geistert und mit dem Teufel im Bunde ist. Heute sind sich Historiker und Biologen einig: Wölfe machen einen großen Bogen um Menschen, sind viel zu schlau, sich mit einem Zweibeiner anzulegen. Findet der Wolf genügend Beute, läßt  er übrigens auch Schafe und Kühe in Ruhe.   
Wölfe sind perfekte Jäger und mit bemerkenswerten Fähigkeiten ausgestattet. Sie können offenbar fast so gut sehen wie Menschen, wittern ihr Beute über mehrere Kilometer und hören bei Windstille im freien Gelände jeden Schritt im Umkreis von 15 Kilometern. Und sie sind überaus schlau und vorsichtig, also keineswegs blindwütige Angreifer. Sie besitzen übrigens 30 Prozent mehr Hirn als der intelligenteste Haushund.
So haben Biologen entdeckt, daß Wolfsrudel ihre erspähte Beute genau unter die Lupe nehmen und testen, bevor sie gestellt wird. Beutetiere in guter körperlicher Verfassung werden nicht angegriffen, man krallt sich aus Gründen der Effizienz die schwächsten, ältesten oder auch nur kranke Tiere. Das spart Kraft und bringt dasselbe Ergebnis.
Ein Wolfsrudel operiert arbeitsteilig. Die individuellen Fähigkeiten der verschiedenen Rudel-Mitglieder werden bedarfsgerecht eingesetzt. Vorsichtige und scheue Wölfe sind für die Gefahrenerkennung zuständig. Selbstbewußte und mutige Tiere stürmen voran, wenn größere Beute geschlagen wird. Die Geduldigen im Rudel kümmern sich ums Kleinwild.
Für jedes Beutetier gibt es eine besondere Jagdtechnik. Wölfe wissen genau, wie sich die verschiedenen Beutetiere zu verteidigen suchen. Darauf ist die Jagdtechnik abgestimmt. Hunde werden an der Kehle gepackt; der Grund weswegen Hüte- und Herdenschutzhunde ein mit spitzen Eisennägeln bewehrtes Halsband tragen, Pferde werden von vorne angegriffen, um den Hufschlägen zu entgehen. Eine Kuh wird von hinten in das Euter gebissen. Ein Schwein wird meist zu zweit angegriffen: Ein Wolf beißt sich am Ohr fest, ein anderer geht ihm an die Kehle. Schafe werden auch am Hals gepackt. In der Regel wird im Rudel gejagt. Nur im Verband können große Beutetiere überwältigt werden. Einzeltiere haben nur Jagderfolg bei kleinen Tieren, wie Hasen oder Lämmer.
Das Wolfsrudel ist eine Funktionseinheit. Das Band, das sie zusammenhält, ist die gegenseitige Sympathie und Achtung. Die Grundlage für das Zusammenleben im Rudel ist die Fähigkeit, miteinander Kontakt aufzunehmen, die Kommunikation. Bei den Jagdmanövern von Wölfen erkennt man deren hohe Auffassungsgabe und Intelligenz. Jeder Wolf entscheidet anhand von angeborenen und erlernten Verhaltensmustern selbst, was in bestimmten Jagdsituationen zu tun ist. In Sekundenschnelle schätzt er die Reaktion der Beute ein, kalkuliert die Beschaffenheit des Geländes und die bereits von seinen Jagdgenossen ausgeführten Manvöver. Diese Beobachtungen baut er in seine eigene Entscheidung mit ein, die auch die Entscheidung des gesamten Rudels sein kann: eine Jagt entweder erfolgreich zu beenden oder den Entschluss zum Abbruch zu treffen.
(Dr. Angelika Sigl, promov. Biologin)
Wölfe fressen so ziemlich alles, was ihnen in die Quere kommt: Mäuse verschmähen sie ebensowenig wie einen ausgewachsenen Ochsen. In jedem Fall muß es Fleisch sin. Vegetarische Kost verdaut der Wolfsmagen nicht.
Für das Überleben in freier Wildbahn ist der Wolf bestens gerüstet. Die Evolution hat ihm eine Wetterkleidung verpaßt, die ihresgleichen sucht: Der Wolf friert nicht, er ist gegen Schnee und Regen geschützt. Das Winterfell wird über sechs Zentimeter dick - ist Schlafsack und Zudecke in einem. Der Wolf legt sich im Winter einfach in den Schnee - und läßt sich einschneien.


Wußten Sie?
.    daß nicht einmal 10 Prozent der Jagdversuche des Wolfes von Erfolg gekrönt sind

.    daß die Wolfsrasse Japans bereits völlig ausgerottet ist.    daß ein Wolf in der Lage ist, einen Tropfen Blut in       
     einem Eimer Wasser zu schmecken

.    daß zwischen den einzelnen Revieren der verschiedenen Rudel eine breite Schneise ungenutzt bleibt.
      In diesem Niemandsland kann sich das Beutewild ungestört vermehren. Erst wenn Nahrungsmangel es
      zwingt, in die Wolfsreviere überzuwechseln, wird das Wild gerissen. In seine <Vorratskammer>, das Nie-
      mandsland, dringen Wölfe nur im äußersten Notfall ein - wenn der Hunger übermächtig wird.

.   Hunde helfen Wölfen beim Beutemachen:
ein Hund, der zu einemWolfsrudel "überläuft" oder einem zufällig in den nordischen Wäldern begegnet, wird       zunächst immer schmerzhaft gebissen. Zeigt der Hund seine Wehrhaftigkeit und beißt zurück, wird er nicht, wie  noch vor 30 oder 40 Jahren totgebissen, sondern am Leben gelassen und als Mitglied des Rudels                       angenommen.  Zeigt der Hund allerdings Schwäche, wird er totgebissen und verspeist.
Skandinavische und russische Tierforscher stellten die Umstellung der Wildtiere in einem umfangreichen              Forschungsprogramm fest. Es scheint sogar so, daß einige Wolfsrudel sich mit dem Anlocken und Umerziehen

von Hunden befassen. In Sibirien wurde beobachtet, wie zwei Wölfinnen durch intensives Liebeswerben zwei Jagdhunde anlockten. Nach Monaten wurden die beiden Hunde wieder völlig verwildert als Mitglieder des Rudels gesichtet. Nach Meinung der Forscher bildeten die Wölfe ihre gezähmten Enkel aufgrund ihres früheren Umgangs mit dem Menschen regelrecht zu "Pfadfindern" zu Tierstätten und Viehherden aus. Die Hunde wiederum bildeten die Wölfe im Beutemachen in menschlichen Behausungen aus.

.   daß er einen halben Tag an einem Stück mit einer Geschwindigkeit von acht Stundenkilometern laufen kann.
      Bei kurzen fünf- bis zehnminütigen Sprints erreicht er sogar eine Geschwindigkeit von 65 Stundenkilometern.
      Er verfolgt Rehe und Hirsche so lange, bis sie erschöpft aufgeben, bebor er sie schließlich angreift.

.   Die Vorstellung, daß Wölfe einander ein Leben lang treu sind, entspricht nicht unbedingt der Wahrheit.
    So  macht z.B. der Tod eines dominanten Wolfes eine neue Paarbildung unvermeidlich, und auch Kämpfe und
    Verletzungen können eine neue Hierarchie hervorbringen, wenn ein jüngeres Tier die dominante Rolle über-
    nimmt. Normalerweise besteht zwar eine starke Bindung zwischen dem Alphapaar, doch das heit nicht, daß
    Wölfe grundsätzlich monogam sind.

.   Der allgemein verbreitete Glaube, daß Wölfe den Mond anheulen, entspricht nicht  der Wahrheit.

 

>>LASST DIE NATUR IN RUHE, SIE WIRD'S SCHON RICHTEN<<
Als sich die Elche durch günstige Äsungsbedingungen und die Geburt von besonders vorsichtigem und wehrhaftem Nachwuchs stark vermehrten, beobachtete Dave Mech    bei den Wölfen eine fast sensationelle Geburtenkontrolle. Die großen Rudel, in denen sich immer nur der ranghöchste Rüde und die ranghöchste Wölfin paaren dürfen, teilten sich. Dadurch konnte in jedem der kleinen Rudel eine Alphawölfin Welpen bekommen. Der Wolfsbestand erhöhte sich und damit der Jagddruck auf die Elche. Erst als das Gleichgewicht wiederhergestellt war, wurden die Wolfsrudel erneut größer  und die Geburtenrate sank.

Das Verhältnis zwischem dem Wolf und seiner Beute hat sich im Laufe der Evolution so gut aufeinander eingespielt, dass andere weiterexistieren können. Das ökologische Gleichgewicht stellt sich immer wieder ein.   Gordon Haber, ein Biologe aus Alaska, vergleicht das Töten eines dominanten, ausgewachsenen Wolfes mit der Ermordung eines angesehenen Stammesältesten in einem menschlichen Clan. Beraubt man eine Gruppe der Quelle ihres Wissens (bei Wölfen ist es das Wissen um Höhlen, Wanderpfade, Jagdstrategien und das soziale Verhalten des Rudels ), bleiben die Überlebenden orientierungslos zurück!


CANIS LUPUS UND DIE ERBEN

Genetische Studie aus den USA belegt, was Zoologen schon lange geahnt haben:
Alle Hunderassen stammen vom Wolf ab

 Ob Windhund oder Königspudel, Mops oder Dalmatiner - so unterschiedlich diese Rassen auch aussehen, sie alle stammen vom Wolf ab. Die Ahnen heutiger Hunde sind demnach nicht aus der Vermischung   wildlebender Verwandter entstanden, etwa der von Schakalen und Kojoten. Dieses hatte der berühmte Evolutionsforscher Charles Darwin im vergangenen Jahrhundert vermutet. Drei Viertel aller heutigen Hunderassen entspringen sogar einer einzigen Wolfslinie, berichtete das US-Wissenschaftsmagazin "Science". Außerdem sind sie die Abkömmlinge eines einzigen Zähmungsversuchs.

 Ein Team von Genetikern und Evolutionsbiologen aus den USA und Schweden konnte nicht nur belegen, daß der Wolf der einzige Urahn des Hundes ist, sondern auch, daß der Mensch nach dem ersten Domestizierungsversuch noch mindestens einen weiteren unternommen hat, so Robert Wayne, Leiter der internationalen Arbeitsgruppe an der Universität von Kalifornien in Los Angeles. 

Die Wissenschaftler sammelten und untersuchten das Erbgut (DNA) von 162 Wölfen aus 27 Regionen der Erde, aus Europa, Nordamerika und Asien. Diese DNA verglichen sie mit den genetischen Informationen von 140 Haushunden, die 67 Rassen angehören. Weil die wilden "Hundeartigen" der Gattung Canis miteinander kreuzbar sind und deshalb als potentielle Vorfahren des Haushundes in Frage kommen könnten, analysierten Wayne und seine Mitarbeiter auch das Erbgut von Kojoten und Schakalen. 

"Diese Studie ist die genetische Bestätigung für das, was die meisten Zoologen vermutet haben", sagt David Mech, ein Wolfsexperte aus Minnesota, "nämlich, daß der Hund ein domestizierter Wolf ist". 

Das Forscherteam untersuchte die DNA aus den Mitochondrien, den Energielieferanten der Zelle. Die Mitochondrien-DNA wird nur mütterlicherseits vererbt. Ein bestimmter Abschnitt dieser Gensequenzen, die sogenannte Kontrollregion, ist für seine relativ hohe Mutationsrate bekannt. Die Kontrollregion kann deshalb gewissermaßen als molekulare Uhr dienen, an der Wissenschaftler die Zeit ablesen, die zwei Arten von ihrem gemeinsamen Urahn trennt.

 Diese "Mitochondrien-Uhr" eichten die Forscher auf die DNA-Unterschiede zwischen Wölfen und Kojoten, deren stammesgeschichtliche Wege sich vor einer Million Jahren getrennt haben. Das ist durch archäologische Funde belegt. Seit dieser Zeit haben sich etwa siebeneinhalb Prozent des mitochondrialen Erbguts von Kojoten und Wölfen verändert. 

Die erste Zähmung eines Wolfs könnte den genetischen Indizien zufolge bereits vor 135 000 Jahren stattgefunden haben. Das wäre fast zehnmal früher als bislang angenommen. Denn aufgrund von Knochenfunden gilt die Zeit vor 14 000 Jahren als Fiffis Geburtsdatum, das den Beginn der gemeinsamen Geschichte von Mensch und Hund markiert. Er ist wahrscheinlich das älteste aller Haustiere. Spanische Felsmalereien aus der Steinzeit, die Jahrtausende alt sind, zeigen den Hund bereits als Jagdhelfer des Menschen. 

Lange vorher schon hatten die Vorfahren des Menschen und Wölfe denselben Lebensraum besiedelt. Altertumsforscher fanden Wolfsknochen nicht weit entfernt von rund 400 000 Jahre alten Gebeinen, die von Urmenschen stammten. Wayne und seine Kollegen stellen nun die Hypothese auf, daß die Hunde der Frühzeit beziehungsweise die gezähmten Wölfe sich lange Zeit im Körperbau nicht von den wilden Vorfahren unterschieden haben. Erst vor rund 15 000 Jahren, mit der Entwicklung des Menschen vom Jäger und Sammler zum Ackerbauer und Viehzüchter, hätten sich die Zuchtkriterien für die vierbeinigen Begleiter geändert. 

Vielleicht wählte der Mensch bewußt kleinere und weniger kräftige Exemplare zur Zucht. Das würde jedenfalls die damals zutage tretenden morphologischen Unterschiede zwischen Wolf und Hund erklären. Die Forscher vermuten außerdem, daß die Frühzeit-Hunde immer mal wieder "fremdgegangen" sind und sich mit ihren wilden Vorfahren gepaart haben. Dieser genetische Austausch könnte die Basis für die künstliche Selektion durch den Menschen geschaffen haben, die schließlich zu rund 300 Hunderassen geführt hat. Die treuen Gefährten, die auch in den alten Kulturen Chinas und Indiens, in Griechenland und im antiken Rom ihren Platz hatten, wurden je nach Bedarf und Zeitgeist über Jahrhunderte hinweg gezüchtet, bis sie doggenhaft monströs oder mopsartig zerknautscht aussahen. 

Das Team der schwedisch-amerikanischen Wissenschaftler hat darüber hinaus versucht, die Erbinformationen der untersuchten Hunderassen den heute lebenden Wolfspopulationen zuzuordnen. Vergeblich. Die eigentlichen Vorfahren und ihre Herkunft bleiben, so Wayne, "ein Rätsel". Er vermutet, daß die urzeitliche Wolfsfamilie ausgestorben ist.


Der Unterschied zwischen Wolf und Hund 

Es gibt über 400 Rassen von Haushunden. Alle haben eines gemeinsam, den Ahnen WOLF als Stammvater!

Jede Rasse ist infolge Selektion (Auswahl) durch den Menschen entstanden. Der Wolf zeigt im Gegensatz zu den Hunden relativ wenig Varianten. Im Gegensatz zu den sich äußerlich sehr stark vom Wolf unterscheidenden Rassen wie Pinscher und Bulldogge ähneln Deutscher Schäferhund, Malamute, Husky und Layka dem Wolf schon sehr. Es kann vorkommen, daß sich Wölfe mit diesen wolfsähnlichen Rassen kreuzen. Deren Nachkommenschaft sind dann kaum von Wölfen zu unterscheiden.
Die typischen Unterscheidungsmerkmale werden in zwei Gruppen unterteilt:
Morphologische Unterschiede (Äußeres Erscheinungsbild): Im allgemeinen trägt der Wolf die Rute waagrecht oder etwas gesenkt. Der Hund dagegen hält die Rute erhoben, oft auch eingerollt.
Der Wolf hat eine Violdrüse, diese fehlt beim Hund.
Die Hinterpfoten setzt der Wolf auf die Spur der Vorderpfoten, der Hund seine Hinterpfoten zwischen die Spur der Vorderpfoten.

Anatomische Unterschiede Die Unterschiede zwischen Wolf und Hund liegen vor allem bei den Schädelmerkmalen. Besonders auffällig ist die unterschiedliche Größe des Augenhöhlenwinkels. Beim Wolf beträgt dieser Winkel 40 bis 45 Grad, bei Hunden 53 bis 60 Grad, beim Deutschen Schäferhund jedoch 50 Grad. Er ist dem Wolf am ähnlichsten. Ein weiterer Unterschied besteht im Volumen der Gerhirnkapsel, die beim Wolf entschieden größer ist. Die Größe des vorderen Teiles des Unterkiefers und die Anordnung der Schneidezähne: Beim Wolf ist dieser Teil des Unterkiefers verhältnismäßig schmal, seine Schneidezähne sind dicht zueinander angeordnet. Beim Hund ist der Unterkiefer verhältnismäßig breiter, die Zähne sind in Abständen weiter zueinander angeordnet.


Vom Zehnkämpfer Wolf zum Facharbeiter Hund

Die Domestikation: Unter Domestikation versteht man die Eingliederung einer Tierart in den Hausstand des Menschen. Mit der Haustierwerdung gehen verschiedene Änderungen im Verkaltensrepertoire des Tieres einher, die sich im Vergleich zur Wildform, dem Wolf,   in einer Verhaltensdämpfung oder im Wegfall von Verhaltensweisen äußern, was das enge Zusammenleben mit dem Menschen erst möglich macht. (Hemmer, 1983) Der Grad der Domestikation reicht von Primitivrassen bis zu Hochzuchtrassen, wobei sich die Primitivrassen (Dingo, Basenji, nordische Schlittenhunde, etc.) eine gewisse Unabhängigkeit vom Menschen bewahrt haben, während die Hochzuchtrassen in wesentlich höherem Maße vom Menschen abhängig geworden sind. Erst das angeborene Fehlen vieler beim Wildtier, also beim Wolf, festgelgter instinktiver Verhaltensweisen (z.B. die Fluchttendenz) macht den Hund zu dem anpassungsfähigen Begleiter des Menschen und unterscheidet ihn so wesentlich von seiner Wildform, dem Wolf (Feddersen-Petersen, 1986). Mit dem partiellen Wegfall der Festlegungen auf vorhersagbare, instinktgesteuerte Handlungsabläufe hat der Hund als Folge der Domestikation einen Freiraum gewonnen: Ein Verhalten, das nicht genitisch fixiert ist, bietet ihm die Möglichkeit, es erst durch einen Lernprozeß festzulegen und erlaubt ihm damit eine flexiblere Anpassung an eine sich wandelnde Umwelt. Darüber hinaus ist den Haustieren die Tendenz zu einer "Verjugendlichung" oder Fetalisation eigen (Zimen, 1988) Die Reifeprozesse verschiedener Verhaltensweisen des Hundes unterscheiden sich in Entwicklungsgeschwindigkeit und -endpunkt von denen der Wildform Wolf. Es gibt also Hunde, die in Bezug auf bestimmte Verhaltensweisen nie ganz erwachsen werden. Der Grad einer solchen Fetalisation ist gleichzeitig auch Maßstab für die Abhängigkeit des Hundes vom Menschen. Ein Beispiel: Junge Wölfe jagen Krähen auf freiem Feld hinterher. Schon nach einem fehlgeschlagenen Versuch geben sie, noch im Welpenalter, das Hinterherjagen ein für allemal auf (Zimen, 1990)Der Energieaufwand wird nicht durch Beutefang belohnt, also werden die Krähe aus dem Beuteschema gestrichen. Hunde mit einen hohen Fetalisationsgrad laufen ihr ganzes Leben den Vögeln hiterher. Sie sind nicht etwa dümmer, ihnen macht das Rennen einfach Spaß und sie brauchen sich um ihre Energiebilanz keine Gedanken machen, weil sie sich voll und ganz in die Abhängigkeit des Menschen begeben haben.
Erstaunlich, was der Mensch aus dem Wolf gemacht hat: nützliche Haustiere mit tausend Formen und Fähigkeiten. Und alle sind sie schon im "Urhund" Wolf angelegt! Worauf Züchter besonders stolz sind: Viele Hundearten übertreffen heute den Wolf. Sie bellen ausdrucksvoller. Manche jagen, ohne das Wild zu reißen oder gar zu fressen. Andere laufen schneller.
Und Hirtenhunde bewachen sogar des Wolfes liebste Beute - das Schaf!
Aus einem "Zehnkämpfer", der viele Disziplinen beherrschte, wurden "Spezialisten" - zum
Nutzen des Menschen.
In der Wildnis überleben könnten freilich nur noch die wenigsten Hunde.


Nachgeschlagen

Die noch heute weithin verbreitete Vorstellung vom Wolf als Bestie stammt aus dem 17. Jahrhundert. Zu dieser Zeit herrschte vielerorts eine Tollwut-Epidemie, und wie heute Füchse, waren damals hauptsächlich die Wölfe von der Krankheit befallen. Vielfach wurden Menschen auf den Feldern und in den Wäldern angegriffen. Einzelne Wölfe suchten auch die Dörfer auf, nachdem sie infolge des Tollwutbefalls ihre angeborene Scheu vor dem Menschen verloren hatten, und bissen auf ihre Opfer ein. Es kam zu dramatischen Vorfällen und zum unerbittlichen Haß gegen den Wolf.

USA: Wölfe wieder da
Die 1995 im Yellowstone Nationalpark und im US-Staat Idaho ausgesetzten kanadischen Wölfe haben ihre neue Umgebung angenommen. Das beweisen mehrere Jungtiere in den fünf Rudeln.
Die Wölfe halten seither die Wildpopulation in der Balance und haben weniger Schafe gerissen, als die Farmer der Region befürchtet hatten. Da die Tiere zusätzliche Touristen anziehen, tragen sie auch zur Einkommenssteigerung der ländlichen Gebiete bei.
Wölfe waren vor der Umsiedlungsaktion in den USA - außer Alaska - vom Aussterben bedroht. Wissenschaftler hoffen nun, den Wolf bald von der Liste der bedrohten Tierarten streichen zu können.
tdt

in den Landessprachen nennt man ihn: 

Sprache

Übersetzung

Arabic (classical): thirb
(colloquial): dib
Basque: otso
Chinese (Mandarin): lang gou
Danish: ulv
Farsi (Persian): gorg
Finnish: susi
hukka
French:
Male: loup
Female: louve
Cubs: Single: louveteau
Gaelic (Irish) cu
Wolf Cub: connain
Hebrew: ze'ev
Innuit (Eskimo): Amarok
Italian:
Male Wolf: lupo
Female: lupa
Japanese: okami
Korean: luec deh
i-ri
Ordinary Wolf: ssung-nyang-i
Timber Wolf: mal-ssung-nyang-i
Lakota (Sioux): skaska
shunkmanitu
Old Norse: vargr
Portuguese: lobo
Russian: vulk
Wolf Cub: volchionek
Spanish: lobo
Swedish: varg
Welsh:
Male Wolf: blaidd
Female: bleiddast

Kurzer Überblick über die verschiedenen Unterarten von Canis lupus

Nordamerikanische Unterarten von Canis lupus

Name: Wissenschaftlicher Name Kurze Beschreibung (Lebensraum, Größe, Fellfarbe)
Kenai Peninsula Wolf Canis lupus alces
(Goldman, 1941)
Ausgestorbene Wolfsart, die in Alaska lebte und sehr groß wurde. Die Artbestimmung und Feststellung der Größe wurde anhand von Schädelfunden vorgenommen.
Melville Island Wolf Canis lupus arctos
(Pocock, 1935)
Diese Wolfsart lebt nur auf den arktischen Inseln von Melville Island bis Ellesmere Island. Weißer Wolf von mittlerer Körpergröße.
Mexikanischer Wolf Canis lupus baileyi
(Nelson & Goldman, 1929)
Der kleinste Nordamerikanische Wolf. Lebensraum ist die Sierra Madre und die umgebende Region von West-Mexiko. Streifte einst auch durch Arizona und Neu-Mexiko.
Neufundland Wolf Canis lupus beothucus
(Allen & Barbour, 1937)
Ausgestorbene Wolfsart von durchschnittlicher Körpergröße. Weisses Fell.
Banks Island Tundra Wolf Canis lupus bernardi
(Anderson,1943)
Diese Wolfsart lebt auf Banks Island in den nordwestlichen Territorien. Großer Wolf mit meisst weissem Fell, das auf dem Rücken schwarze Spitzen hat.
Britisch Columbian Wolf Canis lupus columbianus
(Goldman, 1941)
Eine der größten Wolfsarten die bis zu 65 Kilo schwer werden kann. Lebensraum ist Britisch-Columbien in Kanada. Fell ist entweder grau oder schwarz.
Vancouver Island Wolf Canis lupus crassodon
(Hall, 1932)
Wolf von mittlerer Körpergröße mit grau-schwarzem Fell.
Cascade Mountains Wolf Canis lupus fuscus
(Richarson, 1839)
War einst wegen seines Zimtfarbenen Fells als der "braune Wolf" bekannt. Gewicht ca. 40-50 Kilo. Durchschnittliche Körpergröße. Es ist nicht bekannt, ob heute noch Wölfe dieser Art leben.
Hudson Bay Wolf Canis lupus hudsonicus
(Goldman, 1941)
Wolfsart -oft auch Tundrawolf genannt- mit hellem Fell und durchschnittlicher Körpergröße. Das Winterfell ist fast weiss. Lebensraum sind die Gebiete westlich und nördlich der Hudson Bay, wo sie den südlich ziehenden Karibuherden folgen.
Kein Name Canis lupus griseoalbus
(Baird, 1858)
Es wird vermutet, daß diese Wolfsart in Zentral-Manitoba und im nördlichem Saskatchewan lebt. Seine Existenz wurde allerdings bisher nicht nachgewiesen. Der Streit, ob es sich hier wirklich um eine eigene Untertart handelt, dauert an.
Northern Rocky Mountain Wolf Canis lupus irremotus
(Goldman, 1937)
Wolfsart von durchschnittlicher bis überdurchschnittlicher Körpergröße mit hellem Fell. Der Lebensraum erstreckt sich von den nördlichen Rocky Mountains bis nach Southern-Alberta in Kanada. In den USA gilt er als ausgestorben. Neuste Meldungen berichten aber von ein paar Sichtungen dieser Art im Glacier Nationalpark. In der Tat sollen auch in Montana Wölfe dieser Unterart leben.
Labrador Wolf Canis lupus labradorius
(Goldman, 1937)
Wolfsart, dessen Fellfarbe von dunkelgrau bis fast weiss reicht. Durchschnittliche Körpergröße. Lebensraum ist Northern Quebec und Labrador.
Alexander Archipelago Wolf Canis lupus ligoni
(Goldman, 1937)
Diese Wolfsart ist kleiner als die meissten Nordamerikanischen Wolfsarten. Kurzes Haar von dunkler Farbe. Fast schwarze Tiere mit grauem Unterfell sind normal.
Eastern Timber Wolf Canis lupus lycaon
(Schreber, 1775)
Die am weitesten verbreitete Unterart. Ihr Lebensraum umfasst die östlichen USA, incl. Florida bis West-Minnesota. Fell varriert in jeder nur vorstellbaren Farbe.
Mackenzie Tundra Wolf Canis lupus mackenzii
(Anderson 1943)
Wolf von mittlerer Körpergröße. Die Fellfarbe reicht von Schwarz bis Weiss. Lebensraum ist die arktische Küste ind den nordwestlichen Territorien östlich des Mackenzie-River und südlich des Great Bear Lake.
Baffin Island Tundra Wolf Canis lupus manningi
(Anderson 1943)
Der kleinste der Artkischen Wölfe. Lebensraum ist Baffin Island.
Mogollon Mountain Wolf Canis lupus mogollonensis
(Goldman, 1937)
Ausgestorbene Wolfsart. Lebensraum war Zentral-Arizona und Neu-Mexiko. Die Fellfarbe war normalerweise dunkel mit ein wenig weiss.
Texas Grey Wolf Canis lupus monstrabilis
(Goldman, 1937)
Ausgestorbene Wolfsart. Lebensraum war Texas und das nordöstliche Mexiko. Kleine Körpergröße mit normalerweise dunklem Fell. Einige weisse Tiere sind auch bekannt gewesen.
Great Plains Wolf oder Buffalo Wolf Canis lupus nubilus
(Say, 1823)
Gilt als ausgestorben. Streifte einst durch Süd-Manitoba und Saskatchewan, Kanada, bis Nord-Texas. Mittlere Größe mit verschiedenfarbigen Fell.
Mackenzie Valley Wolf Canis lupus occidentalis
(Richardson, 1829)
Diese Wolfsart lebt im oberen Mackenzie River Valley und weiter im Süden bis nach Alberta. Eine der größten Wolfsarten Nordamerikas. Die Fellfarbe kann von fast Schwarz bis zu einem reinem Weiss variieren.
Greenland Wolf Canis lupus orion
(Pocock, 1935)
Möglicherweise Ausgestorben. Beweise, daß diese Art nicht mehr existiert, liegen jedoch nicht vor. Viele Wissenschaftler vermuten, daß dieser Wolf eine Unterart von Canis lupus arctos ist.
Interior Alaskan Wolf Canis lupus pambisileus
(Elliot, 1905)
Eine der größten Wolfsarten Nordamerikas. Lebensraum ist das innere Alaskas mit Ausnahme der Tundraregionen und der arktischen Küsten.
Alaska Tundra Wolf Canis lupus tundrarum
(Miller, 1937)
Großer Wolf mit langem, hellen Fell. Lebensraum sind die Tundragebiete von Alaskas arktischer Küste.
Southern Rocky Mountain Wolf Canis lupus youngi
(Goldman 1937)
Ausgestorben. Lebensraum war die Rocky Mountains-Region von Nevada, Utah und Colorado. Durchschnittliche Körpergröße mit hellem Fell.

 
Eurasische Unterarten von Canis lupus

Name: Wissenschaftlicher Name Kurze Beschreibung (Lebensraum, Größe, Fellfarbe)
Tundra Wolf Canis lupus albus
(Kerr, 1792)
Dieser Wolf lebt in der eurasischen Tundra und Wald-Tundra von Finnland bis nach Kamtschatka. Großer Wolf mit langem, hellen Fell, ähnlich wi sein Amerikanisches Gegenstück Canis lupus tundrarum
Kein Name Canis lupus arabs
(Pocock, 1934)
Wolf von kleiner Statur mit einem kurzen, dünnen Fell. Lebensraum ist Südarabien.
Steppen Wolf Canis lupus campestris
(Dwigubski, 1804)
Der Steppenwolf ist ein kleiner Wolf, der in den Wüsten und Steppen Zentralasiens lebt. Er hat ein grobes, kurzes Fell von stumpfgrauer Farbe mit leichtem Okereinschlag.
Kein Name Canis lupus hattai
(Kishida, 1931)
Dieser Wolf lebte einst in der Gegend von Hokkaido in Japan. Vermutlich ist diese Art ausgestorben.
Kein Name Canis lupus hodophilax
(Temminck, 1839)
Ausgestorben. Diese Wolfsart lebte in Hondo, Japan.
Tibetanischer Wolf Canis lupus laniger
(Hodgson, 1847)
Wolf von mittlerer Körpergröße mit langem Fell. Lebensraum ist Zentralchina, die Manschurai, die Mongolei, Tibet und das südwestliche Russland.
Gemeiner Wolf Canis lupus lupus
(Linnaeus, 1758)
Wolfsart die ehemals in ganz Europa und in den Wäldern Russlands lebte. Mittelgroßer Wolf mit rauhem, dunklem Fell.
Kein Name Canis lupus pallipes
(Sykes, 1831)
Der Lebensraum dieser Wolfsart ist der Iran, Indien und die Länder dazwischen.


Andere Unterarten von Canis lupus

Name: Wissenschaftlicher Name: Kurze Beschreibung (Lebensraum, Größe, Fellfarbe)
Hund Canis lupus familiaris
(1993)
Die wohl bekannteste Wolfsart: Unser Haushund. Im Laufe der letzten 10000 bis 15000 Jahre in einem unglaublichen Variantenreichtum vom Menschen domestiziert, aber nachweislich ein Nachfahre des Grauwolfs (Canis lupus).
Dingo Canis lupus familiaris dingo
(Unbekannt)
Der Australische Dingo ist ein wieder verwilderter Haushund der australischen Ureinwohner (Aborigines).

 

Wolfskrankheiten

Wölfe können von den selben Krankheiten und Parasiten befallen werden wie Hunde. Wenn ein Wolf aber durch Hunger oder Wunden, die ihm ein Beutetier zugefügt hat, geschwächt ist, können ihm Würmer, Läuse oder andere Krankheiten leicht den Rest geben. Besonders schlimme Folgen für den Wolf haben Krankheiten, die  in neuester Zeit aufgetreten sind.

Der Parvovirus wurde erstmals etwa 1977 bei Hunden festgestellt. Er breitete sich schnell auch in der Wolfspopulation aus. "Parvo" ist tödlich für Hunde- und Wolfswelpen.
Die Lymesche Krankheit, eine Krankheit des Menschen, die von bestimmten Zecken übertragen wird, infiziert auch Hunde und Wölfe, die Folgen sind unter Umständen verheerend.
Der Herzwurm ist eine Krankheit, die wahrscheinlich von Hunden , die an Feldforschungen teilnahmen, auf den Wolf übertragen wurden. Hunde und Wölfe sind die Wirtstiere des Wurms, der winzige Mikrofilarien (fadenartiger Wurm) ins Blut entläßt. Moskitos übertragen sie von infizierten Tieren auf gesunde, die Würmer nisten sich dann im Herzen oder größeren Blutgefäßen ein, wo sie heranwachsen. Mehrere erwachsene Exemplare können den Blutstrom zu den Lungen einschränken und so die Fähigkeit des Wolfs, große Entfernungen mit hoher Geschwindigkeit zurückzulegen, untergraben. Je älter dann der Wolf wird, desto größer die Menge der Parasiten und desto geringer seine Ausdauer. Wandern und jagen wird immer schwieriger.


 

Werner Freund:

STADT DER WÖLFE
Im Jahr 1972 wurde ein Fallschirmjäger-Bataillon  nach Merzig (Saarland) verlegt. Beim Einzug in die Stadt marschierte die russische Braunbärin Kalinka mit mir an der Truppenspitze.
Wer hätte damals gedacht, daß Merzig einmal die "Stadt der Wölfe" werden würde!
(Werner Freund in seinem Buch "Werner Freund - Der Wolfsmensch)

Die Natur kennt keine Bestien; sie werden von Menschen gezüchtet

Immer wieder sagen Leute über einen bissigen Hund, er sei   "so scharf wie ein Wolf".
Doch WOLF IST WOLF UND HUND IST HUND! Durch jahrtausendelange Züchtung sind verschiedene Hunderassen zum Gebrauchtsobjekt oder zur Waffe für Ihre Besitzer geworden. Der Wolf hingegen ist ein Wildtier geblieben, und sein Naturell widersetzt sich der Macht des Menschen, der versucht, alles im Tierreich zu beherrschen und auszubeuten. In diesem Sinne wird der Wolf in unserer auf Profitstreben ausgerichteten Gesellschaft als nutzloses oder gar schädliches Geschöpf angesehen.
Enttäuschend verlief früher wie noch heute für gewisse Hundezüchter die Einkreuzung eines Wolfs oder einer Wölfin in eine bestimmte Hunderasse. Sie hatten erwartet, daß die "Schärfe" des Wolfs bei den Kreuzungswelpen weiterwirkt. Doch das Gegenteil war der Fall. Denn es zeigte sich, daß die Menschenscheu des Wolfs genetisch tief verwurzelt ist und als dominierende Eigenschaft vererbt wird. Mit diesen scheuen Tieren, die sich dem menschlichen Unterwerfungswillen widersetzten und unter Zwang zu Angstbeißern wurden, war nichts anzufangen. Sie ließen sich partout nicht darauf dressieren, andere Menschen anzugreifen, waren somit für die Züchter nicht als Gebrauchshunde zu verwenden und galten damit als minderwertig.
(Quelle: Werner Freund - Der Wolfsmensch)


Er träumt davon, ein Wolf zu sein

Bericht über Werner Freund und seine Wolfsrudel.
Aus DIE WELT  Nr. 100-18

Die Wölfe kehren zurück nach Deutschland - Werner Freund will den Menschen die Angst vor dem Urahnen der Hunde nehmen.

Von HANS-WERNER LOOSE
Merzig - Canis lupus kehrt zurück. Wölfe streben aus Polen nach Brandenburg, wo 1823 das letzte Tier erlegt wurde. Sie fallen von Italien ins schweizerische Wallis ein; sie heulen im Tessin und in Graubünden - zur Freude der Naturschützer, zum Ärger der Schäfer. Im Saarland ist der unzähmbare Urahn aller Pinscher und Pudel, Doggen und Dobermänner längst heimisch: auf vier Hektar im Merziger Kammerforst.

Werner Freund (65) lebt mit Rudeln, die als Synonym für Wildnis gelten und als Gegenpol zur überregulierten Zivilisation. Er hat sich ihren Gesetzen unterworfen, fühlt sich als "Wolf unter Wölfen" und verspottet Hunde als "entartete Supermarkt-Raubtiere". Nachts träumt der drahtige, bärtige Mann davon, selbst ein Wolf zu sein. Nachdem er im oberhessischen Garbenteich als Sechsjähriger seine Welpe Flora aufgezogen und sie zum Schafehüten abgerichtet hatte, wollte Werner Freund Förster werden. Doch er wurde Gärtner und pflegte den Garten der Stuttgarter Wilhelma. Er half einem Löwenbaby auf die Welt, fing einen entlaufenen Rehbock ein und rettete eine Elefantenkuh vor dem Feuer. Die beiden Wölfe in einem kleinen Gehege faszinierten den Jungen am stärksten - aber sein Weg zum Wolf führte über den Bären.

Freund ging 1934 zum Grenzschutz, wechselte zwei Jahre später zur Bundeswehr umd bildete in den Pfälzer Wäldern Einzelkämpfer aus. Der Kommandeur des Fallschirmjäger-Bataillons 262 befahl seinen Feldwebel zu sich, "um ein angemessenes Maskottchen aufzutreiben". Der Zugführer gehorchte; er erstand bei einem Tierhändler für 400 Mark eine russische Braunbärin, mit der er lieber im Wald als in der Kaserne übernachtete und deren schwere Hiebe auf die Helme der Rekruten "wie ein Ritterschlag waren".

Nach seinem "Bärendienst" fürs Vaterland las der Stabsfeldwebel a. D. beim Frühstück mit seiner Frau Erika in einer Zeitung für Geflügelzüchter ein Inserat: "Drei junge Wölfe abzugeben." Er fuhr mit einem Scheck über 400 Mark vom Ersparten zu einer Zoohandlung nahe Darmstadt und kaufte den ersten der Welpen, die sein Leben veränderten: "Wenn ich damals gewußt hätte, was ich heute weiß, hätte ich den ganzen Wurf nehmen müssen."

Hinter seinem Blockhaus am Rand des Merziger Mischwalds geht Werner Freund durch eine Sicherheitsschleuse zu drei weißen Polarwölfen, als seien es Meerschweinchen. Zu seinen Füßen entblößen zwei riesige, 50 Kilogramm schwere Rüden die Fangzähne und knurren, Kehle an Kehle. Eine Wölfin reckt den Kopf in den Regen und heult. "Ich bin kein Leitwolf", ruft der Wolfsmensch durch den Zaun des Geheges, "ich bin nur ein Kumpan des Alphawolfs; mit ihm muß ich klarkommen."

Alphatiere führen die geschätzten 300 000 Wölfe auf der nördlichen Erdhalbkugel. Der Leitwolf ist der unumschränkte Herrscher; nur er darf sich fortpflanzen; er trifft in freier Wildbahn alle Entscheidungen Aufbruch der Kämpfer zur Jagd, Betreuung des Nachwuchses durch die Ammen, Beginn der Wanderung. Freund nennt ein Projekt in den rumänischen Karpaten "beispielhaft": Für 850 000 Mark, mit Zuschüssen von der Stiftung Euronatur und von der Weltbank, leben 3000 Tiere in einer Gegend, die einst Transsylvanien hieß und als Heimat des Grafen Dracula verrufen war.

Sein "Wolfpark" für den er den Saarländischen Verdienstorden erhalten hat, sei "leider nur ein "Miniaturreservat" mit 25 Tieren - indische und europäische Grauwölfe, weiße Arktiswölfe, kanadische Timberwölfe. Werner Freund geht in die abgeschotteten Gehege mit sechs Rudeln, die für jeden Außenseiter der wölfischen Gemeinschaft tödlich wären. Indes: Vor jedem Besuch muß er einen anderen seiner sechs Bundeswehr-Overalls anziehen, weil der Geruch rivalisierende Rudel zum Angriff reizen würde: "In den Großfamilien hat jeder seinen Platz, für jeden ist gesorgt - aber Eindringlinge werden nicht geduldet."

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz lobte den Wolfsforscher; Heinz Sielmann stellt ihn in eine Reihe mit Heinz Meynhardt. der mit Wildschweinen auf Trüffelsuche ging. "Der Mensch hat den Hund domestiziert", doziert der Autodidakt Freund, "ich habe mich von den Wölfen domestizieren lassen und bin ein Teil ihrer Lebensgemeinschaft." Manchmal sei er "erstaunt, wie sehr ich schon zum Wolf geworden bin"

Für jährlich 100 000 Besucher von Jever bis Japan ist Freund der furchtlose Mann, der in Merzig mit dem Wolf tanzt, rauft und schläft. Aber er hat auch andere Gäste, schlimmere als jene, die keine Münzen als Spenden in die Parkuhren stecken, um zum Fleisch aus der Kühltruhe - zwei Kilo pro Tier und Tag - beizutragen. Wie das Paar mit dem Pitbull: Vor dem Maschendraht, der ein Rudel Timberwölfe vom Waldweg trennt, läßt der Mann seinen Kampfhund von der Leine. Der Alphawolf springt knurrend gegen den Zaun; der Pitbull schaut ihm ins bernsteinfarbene Auge und sucht winselnd Schutz bei seinem enttäuschten Herrn. "Es gibt schon komische Leute", sagt Freund und erzählt von einem, der ihm seinen Schäferhund als Futter angeboten hat: "Das arme Tier hatte die Schutzhundeprüfung nicht bestanden."

Werner Freund freut sich auf die Rückkehr der Wölfe. Sie würden "höchstens mal ein Schaf reißen", meint er und nennt die jüngsten Jagdszenen aus der Eifel "ganz überflüssig": Vier von fünf Wölfen, die aus einem Gehege entkommen waren, wurden inzwischen abgeschossen - "dabei wären sie bestimmt freiwillig zurückgekehrt,wenn man sie nur gelassen hätte". Dem Menschen, ihrem einzigen Feind, würden Wölfe nie gefährlich werden: "Schließlich ist die Geschichte vom Rotkäppchen, dessen Großmutter vom bösen Wolf gefressen wurde, nichts als ein böses Märchen."

......Canis lupus und die Erben