DIE
(RASSE*) ZUCHT
Eine Hunderasse ist eine Gruppe von "Hunde-Individuen",
die durch gerichtete, menschliche Auswahl, im Hinblick auf ein gestelltes Endziel
(Körperbau, Leistungsfähigkeit und Wesen), über viele Generationen hindurch
gezüchtet worden ist. Am Ende ist eine Reinerbigkeit erfolgt, die die Rasseangehörigen
durch den gemeinsamen Besitz bestimmter Eigenschaften von den anderen Artgenossen
unterscheiden. Diese Eigenschaften sollen gezielt und erfolgreich auf die
Nachkommenschaften weiter vererbt werden. Ein hohes Maß an Verantwortung und Wissen des
Züchters muß vorausgesetzt werden, daß noch über viele Generationen hinweg ein
erfolgreiches Weiterführen der Zuchteigenschaften erhalten bleibt.
* Rasse ist ein Begriff, der von der zoologischen Systematik und von der
Genetik (Erblichkeitslehre) häufig unterschiedlich interpretiert wird. Man muss sich hier
vergegenwärtigen, dass das auf Carl von Linné zurückgehende zoologische System im
Grunde davon ausging, die Klassen, Ordnungen, Familien, Arten usw. als absolut fest
abgegrenzte Einheit zu betrachten.
Zuchtrassen lassen sich fast immer genetisch abgrenzen und sind Rassen im Sinne der
Erblichkeitsregeln.
Wir unterscheiden die Zucht in:
- Reinzucht: Paarung von Tieren gleicher Rasse
- Inzucht: Paarungen, die auf engere Blutsverwandtschaft
gegründet ist
Verwandtschaftszucht: Die Paarung ist auf die ersten
sechs Ahnenreihen beschränkt:
- engste Inzucht (Inzestzucht), Eltern/Kinder,
Großeltern/Enkel und zwischen
Geschwistern
- enge Inzucht, Onkel/Nichte, Tante/Neffen,
Vettern/Cousinen
- weite Inzucht, Paarungen zwischen Verwandten des
fünften und sechsten Grades
- Linienzucht: Paarung von Tieren einer bestimmten Abstammungslinie
- Zwischenzucht: Paarungen durch einmalige Zuführung fremden Blutes
derselben Rasse
in einer durch Verwandtschaftszucht gefestigten Blutlinie
- Fremdliniennzucht: Paarungen von Tieren gleicher Rasse, die nicht
miteinander
verwandt sind.
Die Inzucht bringt nichts Neues; wird sie konsequent von erfahrenen Züchtern durchgeführt, die ihre Tiere selbst und deren Ahnenreihe genau kennen, zeigt sie ihm jedoch, welches Erbgut die Tiere in sich tragen. Der Züchter ist somit in der Lage, die Ausgeglichenheit und die weitgenhende Erbreinheit einer Rasse zu gewinnen.
Hundezucht ist angewandte Genetik. Die Grundlagen der Tätigkeit des Züchters zur Formung des Hundes nach seinen Vorstellungen unterliegt den Gesetz der Vererbung!
1. Mendelsche Regel
Bei Kreuzungen zweier verschiedener reiner Rassen sind die Nachkommen der ersten
Generation unter sich gleich (uniform). Da bei der Vermehrung männliche und weibliche
Keimzellen erblich gleichwertig sind, ist es gleichgültig, welcher Rasse Vater bzw.
Mutter angehören. Die Nachkommen der ersten Generation werden F1-Generation
genannt (=1. Filialgeneration) und sind also mischerbig (=heterozygot). Die
Angehörigen dieser F1-Generation werden als Bastarde bezeichnet.
2. Mendelsche Regel
Kreuzt am Bastarde der F1-Generation untereinander, so spaltet sich die
zweite Generation in einem bestimmten Verhältnis auf (25% - 50% - 25%)
Die 2. Mendelsche Regel wird auch als Spaltungsregel bezeichnet. Diese Regel gilt
nur, wenn sich die Eltern der F1-Generation nur in einem Merkmal unterscheiden.
3. Mendelsche Regel
Individuen, die sich durch mehrere Merkmale unterscheiden, vererben die einzelnen
Anlagen unabhängig voneinander, wenn man sie miteinander kreuzt. Unter den Nachkommen der
folgenden Generation treten Neukombinationen (neue Kombinationen der Gene) in jeweils
bestimmter Häufigkeit auf. (Gene sind in den Chromosomen
enthaltene Erbfaktoren; Chromosomen sind die in jedem Zellkern vorhandenen Kernschleifen.
Ihre Anzahl ist je nach Art spezifisch. Die Chromosomen sind Träger erblicher
Eigenschaften)
Die 3. Mendelsche Regel wird als Unabhängigkeitsregel bezeichnet. Unabhängig von den
übrigen Allelen wird jedes Merkmalspaar entsprechend der 2. Mendelschen
Regel vererbt. Im Erblichkeitsgang ist jede denkbare Kombination möglich.
(Allele sind einander entsprechende und austauschbare Gene in gleichartigen Chromosomen).
Mutationen
Mutationen sind sprunghafte Veränderungen der Erbfaktoren, die meist ohne
erkennbare Ursache auftreten. Die häufigste Form von Mutationen kommt durch
Veränderungen der Gene (Genmutation)zustande. Andere Ursachen sind die Veränderung des
haploiden Chromosomensatzes, das heisst, es kommt zu einer Vermehrung (seltener
Verminderung) der Chromosomenanzahl.
Unerwartete Charakterähnlichkeiten einer Kreuzung Schäferhud X
Siberian Husky
mit der Wesensschwäche von Wolf/Hund-Mischlingen.
Wir wissen aus vielen Berichten, dass eine Kreuzung Wolf/Hund
regelmäßig unerfreuliche Ergebnisse bringt: Die Nachkommen werden nach einiger Zeit
überwiegend hochgradig ängstlich und sind nicht sozialisierbar. Man hat dies weitgehend
auf das "Wolfs-Erbe" zurückgeführt, von dem man sich zwar nicht recht
erklären konnte, woraus es eigentlich besteht, aber man konnte beobachten, dass und wie
es sich auswirkt.
Die umständlichen Bezeichnungen: "aktive" bzw. "passive"
Verteidigungshaltung erweisen sich als nützlich, die Umstände genau zu
beschreiben. Bei Wölfen und den nach ihnen folgenden Kreuzungstieren war eindeutig eine
passive Verteidigungshaltung zu beobachten, während sich bei den Eltern der
Kreuzungstiere sehr oft nicht die passive, sondern die aktive Verteidigungshaltung
feststellen ließ. Diese beiden Verteidigungsreflexe werden jeweils jeder für sich, aber
auch gemeinsam vererbt. Aber, um es einmal ganz naiv auszudrücken: Wo ist bei den
Kreuzungstieren Wolf/Hund der aktive-Verteidigungsreflex geblieben?
Er scheint verloren zu gehen, was aber wiederum eigentlich nicht gut möglich ist.
Ja, Wolf/Hund-Mischlinge sind noch erheblich furchtsamer als Wölfe selbst!
Krushinsky analysierte diese Verhältnisse genauer. Später kreuzte er Huskyrüden
mit Schäferhündinnen . Alle Welpen hatten ein hochgradig ängstliches Verhalten, also
eine passive Verteidigungsreaktion. Wahrscheinlich wäre man, wenn es sich nur um einen
Wurf gehandelt hätte, gar nicht so aufmerksam geworden. Es wurden jedoch 3 Würfe (3
versch. Huskyrüden, 3 Schäferhündinnen) beobachtet. Da alle 3 Würfe dieses
Verhalten zeigten, war das Ergebnis schon bemerkenswert. Und obendrein auch noch völlig
unverständlich. Der Siberian Husky erinnert in seinem Äußeren etwas an einen Wolf, ist
aber nicht in seinem Wesen mit dem Wolf vergleichbar. Der Husky zeichnet sich gerade durch
sein außerordentlich freundliches, zutrauliches Wesen aus, es ist überhaupt kein
Verteidigungsreflex angegeben. Bei den Schäferhündinnen wurden entweder keine oder aber
aktive Verteidingsreflexe registriert.
Drei Kreuzungswürfe Husky x Deutscher Schäferhund |
||||||||
(HU =Husky / SCHÄ=Schäferhund / VR Verteidigungsreaktion (aktiv, passiv oder keine |
||||||||
HU |
X |
SCHÄ |
HU |
X |
SCHÄ |
SCHA |
X |
HU |
keine VR |
akt.VR |
keine VR |
keine VR |
aktv.VR |
keine VR |
|||
Welpen |
Welpen |
Welpen |
||||||
o |
oooooo |
ooooo | o |
ooo |
||||
| akt./pass.VR alle anderen pass. VR | alle pass. VR |
akt./pass. VR | alle pass. VR |
|||||
Wesensmerkmale und Leistungsfähigkeit der Hunde können maskiert
sein
Da die Merkmale (keine passive Verteidigung) der hochaktiven Schäferhunde aus anderen
Test- und Kreuzungsversuchen gesichert waren, mußte die Ängstlichkeit von den Huskies
kommen, obwohl diesen davon nichts anzumerken war. Krushinsky konnte sich dies nur so
erklären, das die angeborenen, passiven Verhaltensreflexe, dank der geringen Aktivität
ihres Nervensystems, nicht zum Durchbruch kommen konnten! Damit war die Reizschwelle
dieser Hunde so hoch, daß sie - ähnlich wie ein Schwerhöriger - von herkömmlichen
Stimulationen überhaupt nicht erreicht wurden. Allerdings mußte das nun erst noch
bewiesen werden.
Es war restlos unmöglich, die Husky-Schäferhundemischlinge zu testen, sie waren so
scheu, daß jede Arbeit im Versuchsstand mit ihnen gänzlich ausgeschlossen war. Auch im
Freien waren sie dauernd in allergrößter körperlicher Betriebsamkeit und ständig
fluchtbereit, sobald sich nur irgend jemand näher.
Hunde mit passiven Verteidigungsreflexen ordnet man den Typen mit "schwachem
Nervensystem" zu. Hunde mit schwachen Nerven haben (als folgerichtige Entwicklung)
letztlich ihre kindliche Ängstlichkeit beibehalten. Sie sind von klein auf so scheu, daß
sie die notwendigen Umwelterfahrungen gar nicht machen können, also nicht lernen, keine
Angst zu haben; daher sind sie auch später gehemmte Typen und schrecken vor jeder neuen
Erfahrung zurück. Aber auch der passivere Hund, bei dem die Ängstlichkeit verdeckt
bleibt, ist wenig aktiv an Umwelterfahrungen interessiert. Auch er hat ein
Erfahrungsdefizit, das sich unter bestimmten Umständen dann in Umweltangst und
Unsicherheit ausdrückt.
